Abnehmmedikamente bedrohen bierorientierte Gastronomie

von Conrad Seidl 26/10/2026
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Abnehmmedikamente bedrohen bierorientierte Gastronomie

London - Der Bierabend mit mehreren Pints könnte seltener werden. Heineken hat britische Wirte und Bars darauf hingewiesen, dass Medikamente zur Gewichtsreduktion den Bier- und Ciderkonsum ihrer Gäste verändern könnten. In einer Präsentation, über die Reuters Ende Oktober berichtete, nennt der Konzern ein mögliches Gefühl schneller Sättigung und eine geringere Nachfrage nach weiteren Getränken. Auffallend: In den britischen Studien zeigt sich, dass sehr viele Befragte, die selbst keine gewichtsreduzierenden Medikamente nehmen, in der Gesellschaft von Nutzern GLP-1-Nutzern auch selbst weniger Bier oder andere alkoholische Getränke konsumieren.

Wie Gastronomen reagieren können

Für die Gastronomie empfiehlt Heineken kleinere und tendenziell profitablere Ausschankmengen, alkoholarme und alkoholfreie Angebote sowie Getränke, die sich mit kleinen Speisen kombinieren lassen.

Gemeint sind verschreibungspflichtige Arzneimittel aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten, darunter Semaglutid, bekannt unter den Markennamen Ozempic und Wegovy. Sie beeinflussen Appetit und Sättigungsgefühl. Heineken zufolge greifen Nutzer zunehmend zu kleineren Portionen, Getränken mit weniger Alkohol und höherpreisigen Produkten. Ein Sprecher sagte, das Unternehmen beobachte die Entwicklung und wolle prüfen, wie sich das Verhalten bis 2027 verändert.

Hinweise auf veränderte Trinkgewohnheiten liefert eine britische Untersuchung der Beratungsfirma KAM und der Aufklärungsorganisation Drinkaware. Die Befragten gaben an, nach Beginn der Behandlung durchschnittlich an 2,2 statt 3,1 Tagen pro Woche Alkohol zu trinken – ein Rückgang um 29 Prozent. Die wöchentliche Trinkmenge sank laut Studie um 16 Prozent. Ein Drittel berichtete von geringerem Verlangen nach Alkohol; 18 Prozent nannten Beschwerden beim Trinken, darunter Übelkeit.

Für Brauereien zählt deshalb nicht nur, ob weniger getrunken wird, sondern auch, was an die Stelle klassischer Bierbestellungen tritt. Diageo hält die möglichen Folgen nach Reuters für beherrschbar; Carlsberg erklärte, die verfügbaren Daten belegten noch keinen klaren Einfluss der Medikamente auf den Bierkonsum. Damm wiederum setzt nach Angaben des Konzerns auf bestehende Trends wie alkoholfreie und alkoholärmere Biere, statt eine eigene Strategie für GLP-1-Nutzer zu verfolgen.

Sollte die Zahl der Anwender weiter steigen, könnte sich der Wandel zunächst in den Gaststätten zeigen: weniger große Runden, mehr kleine Gläser und eine breitere Auswahl ohne oder mit wenig Alkohol. Für die Getränkeindustrie bleibt offen, ob daraus ein dauerhafter Absatzrückgang entsteht – oder vor allem eine Verschiebung zwischen Gebindegrößen, Alkoholstärken und Preisklassen.

https://www.beveragedaily.com/Article/2026/10/23/glp-1-drugs-raise-ques…