Nürnberg - Vom 10. bis 12. November trifft sich die europäische Getränkeindustrie wieder im Nürnberger Messezentrum. Die BrauBeviale, eine der maßgeblichen Investitionsgütermessen der Branche, will sich 2026 deutlicher als bisher über die Brauwirtschaft hinaus positionieren: Neben Bier stehen alkoholfreie Erfrischungsgetränke, Wein, Spirituosen und neue Mischgetränke im Mittelpunkt. Der neue Anspruch des Veranstalters Yontex lautet folgerichtig „All Beverages. One Future.“.
Damit reagiert die Messe auf einen Markt, dessen Mengenentwicklung in vielen Segmenten zwar stabil geblieben ist, in dem sich die Nachfrage jedoch verschiebt. Anbieter suchen nach Produkten für andere Konsumanlässe, nach alkoholfreien Varianten, reduzierten Zuckeranteilen und Getränken mit funktionalem Zusatznutzen. Nach Angaben der Messe lagen 2025 in Europa der Pro-Kopf-Verbrauch alkoholfreier Getränke bei nahezu 177 Litern, jener alkoholischer Getränke bei rund 73 Litern. Für alkoholfreies Bier wird bis 2030 ein Anstieg der Menge von 2,29 auf 2,5 Milliarden Liter erwartet, während die alkoholhaltigen Varianten unter Druck stehen.
Verlagerung des Schwerpunkts schon 2002
Die Nürnberger Veranstaltung, deren Anfänge auf einen Fortbildungslehrgang der Privaten Brauereien in Bamberg im Jahr 1957 zurückgehen, bildet heute die gesamte Kette der Getränkeproduktion ab: Rohstoffe und Zutaten, Prozess- und Abfülltechnik, Verpackung, Logistik und Vermarktung. Der ideelle Träger bleibt der Verband Private Brauereien Bayern. Im Jahr 2002 wurde das ursprünglich auf das Brauen ausgerichtete Format durch den Namenszusatz „Beviale“ erweitert; nun wird diese Entwicklung auch programmatisch fortgeschrieben.
Das Hallenkonzept bündelt die Messe diesmal in den Hallen 6 bis 12. Im Zentrum des begleitenden Programms steht unter dem Leitgedanken „Time for Opportunities“ die Frage, welche Umstellungen sich mit vorhandenen Anlagen, Energiekonzepten und Vertriebswegen umsetzen lassen. Auf der Main Stage in Halle 9 sind Vorträge, Diskussionen und Fallbeispiele zu Ressourceneffizienz, Produktentwicklung und Technik vorgesehen. Charles Nouwen soll in einer Keynote das Bier im Kontext veränderter Konsumgewohnheiten behandeln.
Die Pilot Area in Halle 9 widmet sich unter anderem flexibler Prozessenergie und der Nutzung von Nebenströmen. Damit rücken Themen in den Vordergrund, die für Brauereien und Abfüller zugleich Kosten-, Rohstoff- und Klimafragen berühren. In einem Focus Corner sollen Workshops die technischen und regulatorischen Einzelheiten behandeln. Als Themen werden etwa die europäische Verpackungsverordnung PPWR, die Debatte über Zuckersteuern, Entalkoholisierung und energieeffizientes Brauen genannt.
Einen anderen Zugang wählt die Discovery Bar in Halle 6. Dort sollen Hersteller neue Getränke verkosten lassen, darunter funktionale Produkte, Ready-to-drink-Konzepte und alkoholfreie Alternativen. Für Winzer und Zulieferer ist eine Wine Area in Halle 7 vorgesehen. Das Programm umfasst außerdem die FoodBev Media World Beverage Innovation Awards am 10. November sowie ein Netzwerktreffen von women4beverages.
Zur Messe gehört weiterhin der European Beer Star. Der von den Privaten Brauereien seit 2004 veranstaltete Wettbewerb wird 2026 zum 23. Mal ausgetragen. Die Fachjury ermittelt die Preisträger im September in mehr als 70 Kategorien; die Verleihung folgt am 11. November während der BrauBeviale, anschließend findet die „Nacht der Sieger“ für ausgezeichnete Brauereien und geladene Branchenvertreter statt.
Nürnberg bleibt damit ein Ort, an dem sich die wirtschaftliche Lage der Brauereien und der Getränkebetriebe nicht allein in Marktstatistiken, sondern an Maschinen, Rohstoffen und Absatzideen ablesen lässt. Die Messe verspricht keine Abkehr vom Bier; sie zeigt vielmehr, dass dessen Hersteller ihre Technik zunehmend für ein breiteres Getränkesortiment nutzen sollen.