London - Britische Pubs haben im Juli wieder mehr Fassbier und Cider ausgeschenkt. Der Zuwachs fällt in eine Phase, in der die Zahl der geöffneten Lokale weiter sinkt – ein Hinweis darauf, dass Wetter, Sportübertragungen und der Trend zum längeren Ausgehen zwar Nachfrage bündeln, die strukturellen Belastungen der Branche jedoch nicht verschwinden.
Das anhaltend warme Wetter und die Schlussphase der Männer-Fußballweltmeisterschaft haben den britischen Kneipen- und Barmarkt im Juli belebt. Nach Daten der Marktbeobachtung Market Watch von The Oxford Partnership und Vianets BevMetrics lagen die gesamten Ausschankmengen von Fassbier und Cider 3,9 Prozent über dem Niveau vom Juli 2025. Die durchschnittliche tägliche Verkaufsrate stieg um 5,2 Prozent. Damit setzte sich ein Muster fort, das bereits während einzelner Spiele sichtbar gewesen war: Vor und nach englischen Partien stiegen die Umsätze deutlich, während der Anpfiff selbst die Bestellungen zunächst bremste.
Der Vergleich mit dem Vorjahr fällt umso stärker aus, als die Zahl der betriebenen lizenzierten Lokale binnen zwölf Monaten von 100.436 auf 98.795 zurückging. Die verbliebenen Häuser waren im Schnitt stärker ausgelastet: Die durchschnittliche Auslastung erhöhte sich um 3,3 Prozentpunkte auf 65,91 Prozent. Besucher blieben im Juli durchschnittlich 154 Minuten und damit zwölf Minuten länger als ein Jahr zuvor. Ihre Ausgaben erreichten im Mittel 26,91 Pfund, 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei stiegen die Ausgaben für Speisen um 4,7 Prozent, jene für Getränke um 2,4 Prozent.
Alison Jordan, die Vorstandsvorsitzende von The Oxford Partnership, sieht darin das Zusammenwirken eines sportlichen Anlasses mit günstigen Bedingungen für Außengastronomie. Die Weltmeisterschaft habe wiederkehrende Besuchsanlässe geschaffen; die Hitze habe Biergärten, Terrassen und spontane Treffen begünstigt. Entscheidend sei aus Sicht der Betreiber, dass längere Aufenthalte und höhere Frequenz auch in zusätzlichen Fassbiermengen und steigenden Bonbeträgen mündeten.
Regional entwickelte sich London mit einem Mengenplus von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat am kräftigsten. Vorortlagen folgten mit 4,6 Prozent, ländliche Standorte mit 3,9 Prozent. In Stadtlagen außerhalb Londons betrug der Zuwachs dagegen lediglich 1,1 Prozent. Schon im Juni hatten die Daten erhebliche Unterschiede nach Lage gezeigt: London erreichte in einer Woche ein Mengenplus von 8 Prozent, während die Zahl der geöffneten Lokale landesweit sank.
Über das gesamte Weltmeisterschaftsturnier vom 11. Juni bis zum 19. Juli nahmen die Pubs laut Oxford Partnership im Durchschnitt zusätzlich 1.891 Pfund je Betrieb ein. Pro Tag wurden neun zusätzliche Pints Fassbier und Cider verkauft, 5 Prozent mehr als im entsprechenden Vergleichszeitraum 2025. An einzelnen Spieltagen waren die Ausschläge größer: Beim England-Spiel gegen die Demokratische Republik Kongo wurden rund 6,55 Millionen Pints gezapft, knapp 2,9 Millionen mehr als an einem durchschnittlichen Juli-Mittwoch des Vorjahres.
Weiterhin viele Pub-Schließungen
Die Juli-Zahlen sagen allerdings wenig über die Ertragslage der einzelnen Häuser aus. Steigende Lohnkosten, Energie- und Warenpreise sowie Belastungen durch Gewerbeabgaben bleiben ein Thema. Nach Angaben des Branchenverbandes British Beer and Pub Association schlossen im ersten Quartal 2026 161 Pubs, fast zwei pro Tag. Der sommerliche Mehrabsatz konzentrierte sich somit auf weniger Betriebe. Für die Branche bleibt offen, ob sich die durch Großereignisse erzeugte Nachfrage in den ruhigeren Monaten in einen dauerhaften Umsatzanstieg übersetzen lässt.