Deutsche Brauereikrise erreicht fränkisches Kernland

von Conrad Seidl 25/01/2026
Nachrichten
Deutsche Brauereikrise erreicht fränkisches Kernland

Altenkunstadt - Das fränkische Brauhaus Altenkunstadt Andreas Leikeim hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt und reiht sich damit in eine wachsende Zahl mittelständischer Brauereien ein, die unter strukturellen Belastungen des deutschen Biermarkts stehen. Das Familienunternehmen mit rund 100 Beschäftigten begründet den Schritt mit einer deutlich negativen Absatz- und Umsatzentwicklung in den vergangenen Jahren sowie einem daraus resultierenden Liquiditätsengpass, der sich trotz verschiedener Gegenmaßnahmen nicht beheben ließ. Der Betrieb in Altenkunstadt soll fortgeführt, die Versorgung mit Bierspezialitäten und Erfrischungsgetränken nach Unternehmensangaben weiterhin sichergestellt werden, während im Rahmen der Eigenverwaltung Sanierungsoptionen und Investorenlösungen ausgelotet werden.

Der Fall Leikeim verweist auf eine Branche, die sich seit Jahren in einem Schrumpfungsprozess befindet, in dem Marktvolumen und Konsumgewohnheiten nicht mehr mit der bestehenden Kapazitätsstruktur in Einklang stehen. Der Geschäftsführer verweist auf rückläufigen Bierkonsum, gestiegene Kosten und die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie als wesentliche Faktoren, die den Handlungsspielraum der Brauerei eingeengt haben. Hinzu kommen strukturelle Veränderungen im Verbraucherverhalten, darunter eine Verschiebung hin zu alkoholfreien Getränken, Wein, Spirituosen und nicht zuletzt zu gesundheitsorientierten Konsummustern, die den traditionellen Bierabsatz zusätzlich dämpfen.

Negativer Trend 

Die Bemühungen Leikeims, dem Trend entgegenzuwirken, spiegeln typische Reaktionsmuster mittelständischer Betriebe wider: Ausbau des Exportgeschäfts, zusätzliche Dienstleistungen für andere Brauereien, Investitionen in alkoholfreie Produkte und Kosteneinsparprogramme. Solche Maßnahmen zielen darauf, die Abhängigkeit vom stagnierenden Inlandsmarkt zu verringern und durch neue Produkte sowie ausgelagerte Produktionsleistungen zusätzliche Ertragsquellen zu erschließen. Im konkreten Fall haben diese Schritte jedoch nicht ausgereicht, um den Rückgang im Kerngeschäft zu kompensieren und die Kostensteigerungen, etwa bei Energie, Rohstoffen und Logistik, dauerhaft aufzufangen.

Der deutsche Bierabsatz befindet sich seit Jahren auf einem abwärtsgerichteten Pfad, der durch kurzfristige Sondereffekte nur zeitweise überdeckt wurde. Nach dem pandemiebedingten Einbruch mit Schließungen in Gastronomie und Veranstaltungswesen folgte zwar eine Phase der Erholung, doch das Vorkrisenniveau wurde im Inlandsmarkt nicht nachhaltig erreicht. Der strukturelle Rückgang des Bierkonsums pro Kopf, der seit längerem beobachtet wird, setzte sich fort und verstärkte sich durch demografische Effekte sowie eine wachsende Sensibilität gegenüber Alkohol- und Kalorienkonsum.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier in Deutschland ist über die vergangenen Jahre kontinuierlich gesunken, was auf mehrere ineinandergreifende Entwicklungen zurückzuführen ist. Jüngere Konsumentengruppen greifen häufiger zu alternativen Getränken, während ältere Jahrgänge, die traditionell höhere Konsummengen aufwiesen, zahlenmäßig abnehmen. Auch gesetzliche Regelungen, Präventionskampagnen und veränderte Freizeitgewohnheiten haben dazu beigetragen, dass Bier zunehmend als gelegentliches Genussmittel statt als Alltagsgetränk wahrgenommen wird.

Mittelstand unter Druck

Parallel zu sinkendem Absatz und rückläufigem Pro-Kopf-Verbrauch verändert sich die Struktur der deutschen Brauwirtschaft. Über längere Zeit war die Zahl der Brauereien zwar durch die Gründungswelle kleiner und sogenannter Craft-Betriebe gestiegen, doch inzwischen zeigt sich eine Gegenbewegung, bei der insbesondere regionale und mittelgroße Anbieter unter Konsolidierungsdruck geraten. Betriebe, die stark vom Fassbiergeschäft in der Gastronomie, von regionalen Märkten und von traditionellen Sorten abhängig sind, sehen sich dabei häufig einer Kombination aus stagnierenden Erlösen und steigenden Fixkosten ausgesetzt.

Die jüngsten Insolvenzanträge in der Branche verweisen darauf, dass sich die Konsolidierung beschleunigen könnte, sollten Nachfrage und Kostenentwicklung auf dem bisherigen Kurs bleiben. Während große Unternehmensgruppen ein breiteres Portfolio, stärkere Marken und oft bessere Finanzierungsmöglichkeiten nutzen können, sind familiengeführte Brauereien dagegen stärker auf die Stabilität ihrer regionalen Absatzbasis und einzelner Vertriebskanäle angewiesen. Misslingt es ihnen, neue Kundengruppen zu erreichen oder dauerhaft profitables Wachstum in Segmenten wie alkoholfreien Bieren, Mischgetränken und Exportmärkten zu erzielen, wird der Spielraum für eigenständige Fortführung enger.

Im Fall Leikeim soll das Eigenverwaltungsverfahren die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen, um den Betrieb an veränderte Marktbedingungen anzupassen. Die Geschäftsführung wird durch einen Generalbevollmächtigten juristisch begleitet, während gleichzeitig Restrukturierungsmaßnahmen und Gespräche mit potenziellen Investoren vorbereitet werden. Ziel ist es, das Unternehmen so aufzustellen, dass es in einem Markt mit zurückgehendem Bierabsatz und sinkendem Pro-Kopf-Verbrauch eine tragfähige Rolle behalten kann.

Für die deutsche Brauwirtschaft stellt sich damit insgesamt die Frage, wie viele Standorte und Marken ein schrumpfender Markt dauerhaft tragen kann. Die Insolvenzanmeldung des Brauhauses Leikeim ist Ausdruck eines Anpassungsprozesses, der in vielen Betrieben bereits begonnen hat und nun sichtbarer in der Öffentlichkeit ankommt. Ob die Kombination aus strukturellen Reformen, Produktanpassungen und neuen Vertriebswegen ausreicht, um die Vielfalt der Braulandschaft zu erhalten, wird sich daran entscheiden, wie sich der Bierkonsum und die Zahl der wirtschaftlich tragfähigen Brauereien in den kommenden Jahren weiter entwickeln.

https://www.meininger.de/getraenke-zeitung/brauereien/brauhaus-leikeim-…

https://www.leikeim.de/