Frankfurt a.M. - "Das älteste Bieropfer in Mitteleuropa" soll bis Ende Jänner 2027 Besucher in das Archäologische Museum in Frankfurt locken. Das Museum befindet sich gerade im Umbau, umso attraktiver wird die Sonderausstellung beworben. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine bronzene Situla, sie stammt aus dem 10.–9. Jahrhundert vor Christus.
Allerdings: Was vor drei Jahrtausenden in einem Bronzeeimer ausgeschenkt wurde, lässt sich nicht mehr verkosten. Doch Rückstände an seinen Innenwänden geben Hinweise auf ein Getränk aus Hirse und Kräutern. Das Archäologische Museum Frankfurt widmet dem 2017 im ostböhmischen Kladina entdeckten Gefäß eine Präsentation, die bis zum 31. Januar 2027 zu sehen ist. Ausgestellt wird eine originalgetreue Nachbildung der sogenannten Situla. Im Mittelpunkt steht die Frage, was der Fund über gemeinschaftliches Trinken und religiöse Handlungen in der späten Bronzezeit verrät.
Das etwa sechzig Zentimeter hohe Gefäß fasste rund 140 Liter. Seine Wandung besteht aus mehreren miteinander vernieteten Bronzeblechen; Wasservögel und Sonnenbarken bilden den Schmuck. Nach der Bergung musste zunächst das korrodierte Metall gesichert werden. Anschließend untersuchten Archäologen, Chemiker und Spezialisten für historische Pflanzenreste die Spuren des Inhalts, wie die „Frankfurter Neue Presse“ am 11. Oktober berichtete.
Damals trank man Hirsebiere
Für die Deutung als Bier sprechen mehrere Befunde. Pollenanalysen ergaben Hinweise auf Getreide und Kräuter mit bitter-säuerlichen Eigenschaften. Chemisch ließ sich Miliacin nachweisen, eine für Hirse charakteristische Verbindung. Demnach hätten unsere mitteleuropäischen Vorfahren - ähnlich wie heute noch viele Menschen in Afrika - Biere aus Hirse hergestellt. Bei den Untersuchungen hinzu kamen enzymatisch veränderte Stärkekörner. Die wissenschaftliche Veröffentlichung formuliert allerdings vorsichtiger als manche Schlagzeile: Der Inhalt könne eine Speise oder ein Getränk auf Hirsebasis mit Kräuterzusatz gewesen sein. Auch das Museum nennt neben einem bierähnlichen Getränk einen Getreidebrei als Möglichkeit.onlinelibrary.
Ebenso ist zwischen dem nachgewiesenen Inhalt und seiner religiösen Deutung zu unterscheiden. Das große Fassungsvermögen lässt an gemeinschaftlichen Konsum denken. Die bewusste Niederlegung eines wertvollen Gefäßes wird mit Festen und kultischen Handlungen in Verbindung gebracht. Ein Opfer, möglicherweise für eine Sonnengottheit, bleibt jedoch eine Interpretation, keine naturwissenschaftlich ermittelte Tatsache. Die genaue Zeremonie lässt sich aus den Rückständen nicht ablesen.
Einen gegenwärtigen Zugang bietet das tschechische „Sonnenbarkenbier“, das laut dem Zeitungsbericht auch im Museum erhältlich ist. Eine Wiederherstellung des bronzezeitlichen Getränks ist damit nicht verbunden. „Die genaue Rezeptur von damals können wir selbstverständlich nicht rekonstruieren“, erklärt der Archäologe Jan Jílek vom Ostböhmischen Museum in Pardubice. Zwischen archäologischem Befund und heutiger Braupraxis bleibt somit eine Lücke.