Klagenfurt - Der Begriff Privatbrauerei hat für viele Konsumenten eine besondere Bedeutung - setzen sich die Privatbrauereien doch aufgrund der Eigentümerstruktur von Staatsbetrieben wie etwa der Budweiser Brauerei ab, die ihrerseits stolz ist, dem tschechischen Volk zu gehören.
Die Privatbrauerei Hirt legt ihren Stolz andererseits davon ab, ein Familienbetrieb zu sein. Und zwar seit 180 Jahren. Das Unternehmen stellt im Jahr 2026 diesen Aspekt seiner Firmenbiografie in den Vordergrund, der im österreichischen Brauwesen an Gewicht gewonnen hat: den ununterbrochenen Familienbesitz seit 1846.
Erste Erwähnung durch das Domkapitel
Aus dem Jubiläum „180 Jahre in Familienhand“ leitet das Unternehmen einen Anspruch auf Kontinuität, Unabhängigkeit und regionale Verankerung ab, der an die mehr als sieben Jahrhunderte zurückreichende Braugeschichte in Hirt anknüpft. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Braustätte 1270 im Güterverzeichnis des Gurker Domkapitels, seither wird am Standort in der Kärntner Gemeinde Micheldorf Bier produziert. In der heutigen Eigentümerfamilie ist die Brauerei seit der Mitte des 19. Jahrhunderts; geführt wird sie in fünfter und sechster Generation von Klaus Möller und Nikolaus (Niki) Riegler.
Für die aktuelle Geschäftsführung ist der Hinweis auf den Familienbesitz mehr als ein historischer Rückblick. „Familienbesitz bedeutet für uns nicht nur Eigentum, sondern vor allem Verantwortung“, wird Eigentümer und Geschäftsführer Niki Riegler in der jüngsten Aussendung zitiert. Er verweist auf Entscheidungsprozesse, die auf Zeiträume von zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren ausgerichtet seien und nicht auf rasche Effekte; aus seiner Sicht braucht eine solche Haltung Zeit, „und genau diese Zeit nehmen wir uns bewusst“. Riegler formuliert damit einen Anspruch, der mit dem Markenclaim „Die Zeit nehm ich mir“ verknüpft wird und sich auf Produktqualität, Mitarbeiter und nachhaltige Entwicklung bezieht.
Die Familientradition in Hirt ist durch einzelne biografische Weichenstellungen geprägt. 1846 erwarb Jakob Mayer das Gut Hirt und begründete den heutigen Familienbesitz. 1959 ging die Brauerei an die damals achtjährige Astrid Matchett‑Krenn und ihre Mutter Nelly Möller über; in den folgenden Jahrzehnten führten Möller und ihr Bruder Heinrich Englert den Betrieb. Ab 1990 übernahm Astrid Matchett‑Krenn formell die Geschäftsführung, baute Marke und Vertrieb aus und öffnete den Betrieb für Exportmärkte wie Italien, Kroatien, Slowenien und die USA. 2012 folgte der Übergang der operativen Verantwortung an ihren Sohn Niki Riegler, der die Brauerei seither gemeinsam mit seinem Onkel Klaus Möller leitet. Die Linie lückenloser Familienführung wird in der Unternehmenskommunikation als Teil der Markenidentität herausgestellt.
"Slow Brewing" als Qualitätsphilosophie
Der Fokus auf Zeit als Produktionsfaktor ist nicht nur rhetorisch. Hirt verweist auf ein Sortiment von 15 Biersorten, das aus einer langen Brautradition hervorgegangen sei und sich nach Unternehmensangaben durch schonende Verfahren, langsame Gärung und lange Reifung auszeichne. Die Brauerei ist Trägerin des Slow‑Brewing‑Gütesiegels, das laut Brancheninformationen strenge Prüfkriterien an Produktionsprozesse und Unternehmensführung anlegt. Die Haltbarkeit der Biere wird den Angaben zufolge durch doppelte Filtration erreicht, ohne den Charakter der Produkte zu verändern. In der Außendarstellung verbindet Hirt diesen technischen Ansatz mit einem Qualitätsversprechen, das ausdrücklich an den Zeitaufwand und an Erfahrungswissen geknüpft wird.
In Österreich sind derzeit neben Hirter nur Freistädter, Stiegl und Trumer mit dem Slow Brewing Gütesiegel ausgezeichnet.
Parallel zur Betonung des Familienbesitzes hebt Hirter die regionale Verankerung hervor. Die Brauerei verarbeitet Bio‑Gerste von eigenen Flächen sowie Gerste aus Kärntner Kooperationen; damit solle die Wertschöpfung in der Region bleiben, zugleich werde die Herkunft im Geschmack erkennbar. Historisch war der Betrieb mit Landwirtschaft und Gastronomie verbunden, diese Struktur ist über Jahrzehnte ausgebaut und professionalisiert worden. Hirt positioniert sich gegenüber Gastronomie und Lebensmitteleinzelhandel als verlässlicher Partner in der Kärntner Genuss‑ und Wirtschaftskultur und knüpft den Fortbestand des Familienunternehmens an Investitionen in Standort, Infrastruktur, nachhaltige Prozesse und die Belegschaft.