Tokio - Aktien der großen japanischen Brauereikonzerne haben sich in den vergangenen Monaten spürbar auseinanderentwickelt. Während Sapporo Holdings nach einem kräftigen Anstieg in eine Phase der Konsolidierung eingetreten ist, zeigen die Papiere von Asahi Group Holdings eine eher verhaltene Wertentwicklung, obwohl Analysten dem Konzern weiteres Potenzial zutrauen.
Sapporo notiert nach einem starken Vorjahr im oberen Drittel der 52‑Wochen-Spanne zwischen rund 4.300 und etwa 6.500 Yen und bewegt sich zuletzt überwiegend seitwärts um etwa 5.700 Yen je Aktie. Auf Jahressicht ergibt sich damit ein Kursplus von ungefähr 24 Prozent, was den strukturellen Umbau des Konzerns und die Erwartung einer steigenden Profitabilität widerspiegelt. Über ein, drei und fünf Jahre weist die Aktie zwar zwischenzeitliche Rücksetzer auf, in der längeren Perspektive aber deutlich positive Renditen, was sie an der Börse als defensiven Wert mit moderatem Wachstum erscheinen lässt.
Asahi hinkt hintenher
Der Kontrast zu Asahi fällt vor allem im kurzfristigen Vergleich auf: Die Asahi-Aktie verzeichnete im vergangenen Jahr lediglich einen mittleren einstelligen Zuwachs von rund 5 Prozent und blieb damit hinter der Entwicklung des japanischen Getränke‑Sektors und des breiteren Aktienmarktes zurück. In den zurückliegenden Monaten kam es zudem zu Kursrückgängen, sodass das Papier zuletzt um etwa 1.640 bis 1.650 Yen gehandelt wurde und damit unter dem von verschiedenen Bewertungsmodellen angenommenen fairen Wert liegt. Bewertungsdienste sehen Asahi dennoch als unterbewertet an, da die erwarteten Gewinnsteigerungen und der kontinuierliche Dividendenausschüttungsfluss am Markt nur begrenzt eingepreist seien.
Sapporo wiederum wird von Analysten überwiegend mit „Halten“ eingestuft, teils ergänzt um Kaufempfehlungen, mit Kurszielen meist im Bereich von rund 6.000 bis 6.500 Yen, was ausgehend vom aktuellen Niveau nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial signalisiert. Das Management setzt auf Preiserhöhungen, Effizienzprogramme und eine stärkere Ausrichtung auf margenstärkere Kategorien wie Ready‑to‑Drink‑Getränke, um dem strukturellen Rückgang des heimischen Biermarkts und steigenden Kosten zu begegnen. International konzentriert sich Sapporo stärker auf rentable Nischen und Gastronomiekooperationen, statt auf Volumenwachstum um jeden Preis, was für Anleger eine eher schrittweise Fortsetzung der bisherigen Entwicklung wahrscheinlich macht.
Bei Asahi spielt die internationale Präsenz eine größere Rolle: Der Konzern hat sich in Europa und Australien mit Übernahmen entsprechend positioniert und profitiert von einem breiten geografischen Mix, der schwächere Volumina im Heimatmarkt teilweise ausgleicht. Zum Portfolio gehören international bekannte Marken wie Asahi Super Dry, das italienische Peroni und das tschechische Pilsner Urquell, die im Premiumsegment eine wichtige Rolle spielen. Die Strategie zielt neben der Stärkung dieser Premiummarken auf den Ausbau alkoholarmer und alkoholfreier Produkte sowie auf eine disziplinierte Kapitalallokation mit verlässlichen Ausschüttungen.
Kirin profitierte von Gastro-Geschäft
Auch andere japanische Brauereigruppen liefern den Referenzrahmen für die Kursbewegungen in dem Sektor. Kirin Holdings konnte im Jahr 2025 von der Erholung des Gastronomie‑Geschäfts und einem wachsenden Gesundheits‑ und Biotech‑Segment profitieren, was die Ertragsbasis stabilisiert und den Druck aus dem traditionellen Biergeschäft mindert. International bekannte Marken wie Kirin Lager und Ichiban Shibori verschaffen Kirin eine starke Position im Heimatmarkt und in Teilen Asiens, ohne jedoch die Kursdynamik von Sapporo in der Mehrjahresbetrachtung zu erreichen. Vor diesem Hintergrund erscheinen die divergierenden Kursverläufe von Sapporo und Asahi weniger als Ausreißer, sondern als Ausdruck unterschiedlicher Bewertungen von Geschäftsmodellen, Markenportfolios und regionaler Aufstellung innerhalb eines insgesamt nur moderat wachsenden japanischen Biermarktes.
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