Kahlschlag bei belgischen Biermarken

von Conrad Seidl 16/01/2026
Nachrichten
Kahlschlag bei belgischen Biermarken

Brüssel/Eupen - Der deutschsprachige belgische Rundfunk BRF meldet, dass die traditionsreiche Biermarke Eupener vom Markt verschwinden dürfte. Und BRF ist da gut informiert, denn der Sender ist in der ostbelgischen Stadt Eupen beheimatet. Dabei ist es kein Geheimnis, dass das Eupener Bier schon längst nicht mehr in Eupen, sondern von der Brauerei Haacht in der flämisch-brabantschen Stadt Boortmeerbeek gebraut wird.

"Für die Stadt Eupen ist das Eupener Bier mehr als nur ein Getränk - es ist ein Stück regionale Identität und Geschichte. Schon 1834 wurde das Bier in der Eupener Paveestraße gebraut. Auch wenn die Produktion seit 1998 in Flandern stattfindet, bleibt die Marke eng mit Ostbelgien verbunden", berichtet die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt.

Haacht braut neben dem Eupener rund 20 weitere Biere - was zu hohen Kosten führt. 

Die Diskussion über die Zukunft des Eupener Biers verweist auf eine grundlegende Frage, die viele Regionen mit verschwundenen oder gefährdeten Biermarken beschäftigt. Wenn Brauereien aus ökonomischen Gründen ihre Auswahl reduzieren, geraten jene Produkte zuerst unter Druck, deren Bekanntheit sich im Wesentlichen auf ein lokales Umfeld beschränkt. Für die Konzerne sind sie Randerscheinungen, für Städte und Gemeinden jedoch oft Symbolträger ihrer industriellen und kulturellen Vergangenheit.​

Im Fall von Haacht treffen betriebswirtschaftliche Überlegungen auf eine Landschaft, in der die Vielfalt an belgischen Bieren lange als selbstverständlich galt. Parallel zum Aufstieg einiger international präsenter Marken ist der Markt kleinteiliger geworden, Spezial- und Craft-Biere konkurrieren mit Handelsmarken großer Abfüllbetriebe um begrenzte Regalfläche. Die Sanierungskonzepte mittelgroßer Brauereien reagieren darauf, indem sie die Komplexität der eigenen Portfolios reduzieren und Ressourcen auf wenige Profile bündeln.

In Belgien verschwindet eine wachsende Zahl von Biermarken aus den Regalen, weil mittelgroße und kleinere Brauereien ihre Sortimente straffen und sich auf wenige, wirtschaftlich tragfähige Produkte konzentrieren. Der Anpassungsdruck einer Branche, die von steigenden Kosten, veränderten Trinkgewohnheiten und starker Konkurrenz durch internationale Konzerne geprägt ist, trifft zunehmend auch regionale Traditionsmarken. Was lange als vielfältige Nische galt, wird in vielen Fällen zur rechnerischen Größe in Sanierungsplänen.​

Der Konzentrationsprozess zeigt sich quer durch das Land: Marktführer wie AB InBev setzen seit Jahren auf globale Marken wie Jupiler und Leffe und lassen weniger profitable Linien auslaufen oder nur noch für bestimmte Märkte produzieren. Parallel dazu stehen Familien- und Privatbrauereien unter Druck, ihre Portfolios zu reduzieren, um Produktions- und Marketingkosten zu senken und Investitionen auf wenige Marken zu fokussieren. Kleinere Namen, die außerhalb ihrer Heimatregion kaum bekannt sind, geraten dadurch ins Hintertreffen und verschwinden mitunter lautlos aus der Statistik.​

In der belgischen Öffentlichkeit hat die wirtschaftliche Schieflage der Brauerei Haacht dieser Entwicklung eine konkrete Gestalt gegeben. Das Unternehmen, eine der älteren Privatbrauereien des Landes, verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang auf rund 112 Millionen Euro und einen Verlust von 8,2 Millionen Euro. In den vergangenen zwei Jahren wurden dort bereits 47 Stellen gestrichen, weitere Einschnitte gelten als möglich.

Der neue Unternehmenschef Nils van Dam verfolgt einen Kurs der Verschlankung, der die Produktpalette grundlegend verändern soll. Künftig will Haacht sich auf nur noch fünf Kernmarken konzentrieren: Primus, Coq Hardi, die Tongerlo-Abteibiere, Super 8 und Flandrien. Alle übrigen Biere, darunter zahlreiche kleinere und regionale Marken, sollen an Bedeutung verlieren oder ganz eingestellt werden, wie der Konzernchef mit der Bemerkung unterstrichen hat, man werde keine Biere mehr brauen, die außerhalb der Firma niemand kenne.​

 

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