Kuriose Funde in Mehrweg-Kisten

von Conrad Seidl 08/01/2026
Nachrichten
Kuriose Funde in Mehrweg-Kisten

Berlin/Daisendorf/Meschede-Grevenstein - Kuriose Meldung aus dem Vergleichsportal "Tageskarte":  "Von Smartphones bis Spielzeug: Alltag in der Leergutsortierung der Veltins-Brauerei". Was dahinter steckt: In der Leergutsortierung der Brauerei C. & A. Veltins in Meschede-Grevenstein geraten täglich nicht nur Flaschen und Kästen aufs Band, sondern ein breites Spektrum an Gegenständen aus dem Alltag privater Haushalte und der Gastronomie. Im Zusammenspiel von automatisierter Technik und manueller Kontrolle wird sichtbar, wie intensiv Mehrwegkästen jenseits der Brauerei als Ablagefläche genutzt werden.

Auch andere Brauereien und Abfüller berichten von ungewöhnlichen Gegenständen im Leergut, die von Werkzeug und Spielzeug bis zu elektronischen Geräten reichen und zusätzliche Handarbeit in der Sortierung erfordern. In Betrieben mit eigenem Mehrweg- oder Individualflaschensystem bedeutet dies häufig eine nachgelagerte manuelle Kontrolle, weil Fremdflaschen und Fremdkörper trotz automatischer Erkennung händisch aussortiert und der jeweils zuständigen Stelle im Pfandsystem oder dem Altglas zugeführt werden müssen. Der Mehraufwand fällt vor allem bei kleineren Brauereien ins Gewicht, die weniger automatisierte Technik einsetzen und stärker auf Sichtkontrolle und punktuelle Eingriffe angewiesen sind.​

Veltins prüft täglich 100.000 Kisten

Rund 100.000 Mehrwegkästen durchlaufen bei Veltins täglich die Sortieranlage. Etwa jeder zehnte Kasten enthält Fremdkörper, die aus dem regulären Prozess ausgeschleust und von Mitarbeitern geprüft werden müssen. Kamerasysteme und Sensoren erkennen Abweichungen vom erwarteten Muster, ohne zwischen Pfandgut und persönlichen Wertgegenständen unterscheiden zu können.

Die Technik prüft vor der Flaschenreinigung sowohl die Sortenreinheit der Kästen als auch deren Inhalt. Kästen mit erkannten Unregelmäßigkeiten werden in einen Handbereich geleitet, wo Beschäftigte die Fundstücke begutachten und entscheiden, ob sie entsorgt oder separat gesichert werden. Vom Eintritt in den Prozess bis zum Wiederaustritt vergeht im Durchschnitt etwa eine Viertelstunde, in der die Kästen alle Stationen der Kontrolle durchlaufen.

In der Bierkiste abgelegt und vergessen

In der Praxis zeigt sich ein regelhaftes Bild der Funde: Kleingeld, Kronkorken, Feuerzeuge und Einweg-Pfandflaschen zählen zu den häufigsten Begleitern des Leerguts. Hinzu kommen regelmäßig elektronische Geräte wie Smartphones, Armbanduhren oder Scanner aus dem Lebensmitteleinzelhandel, die offenbar im Arbeits- oder Freizeitalltag in den Kästen abgelegt und vergessen werden. Auch Portemonnaies mit Scheckkarten, Schlüsselbunde, Kinderspielzeug und Textilien tauchen immer wieder auf.

Der Rhythmus der Funde folgt den Jahreszeiten und regionalen Festen. Nach der Schützenfestsaison registriert die Sortierung verstärkt verlorene Wertgegenstände aus dem Veranstaltungsbetrieb. In den Wintermonaten melden die Sensoren zudem häufiger Schnee und Eis, weil Kästen in Außenbereichen lagern und mit Witterungseinflüssen in die Anlage gelangen.

Die Brauerei Veltins versucht, identifizierbare Gegenstände an ihre Eigentümer zurückzuführen. Besonders bei Smartphones, Geldbörsen und gewerblich genutzten Geräten unternimmt das Unternehmen nach eigenen Angaben systematische Bemühungen, um Kundinnen und Kunden ausfindig zu machen. Nicht zuzuordnende Objekte werden getrennt gesammelt und im Anschluss entsorgt.

Die Abläufe in der Sortierung stehen in einem größeren wirtschaftlichen und ökologischen Zusammenhang. Veltins weist einen Mehrweganteil von 92,7 Prozent aus; eine Glasflasche durchläuft demnach im Durchschnitt bis zu 30 Abfüllzyklen. Nach Darstellung des Unternehmens verringert dies den Verbrauch von Rohstoffen und entlastet den Einsatz von Wasser und Energie in der Produktion.

Zigarettenstummel machen Probleme

Es sind aber nicht nur die Kisten, die geprüft werden müssen, sondern besonders die Mehrwegflaschen, die ja wieder befüllt werden müssen. 

Besonders problematisch sind Flaschen, in denen Zigarettenkippen oder andere feste Stoffe entsorgt wurden, weil aufgequollene Reste sich in der maschinellen Reinigung nur schwer vollständig entfernen lassen und das Risiko sensorischer Beeinträchtigungen des Bieres erhöhen. Flaschen, bei denen nach dem Waschen noch Partikel, Verfärbungen oder Gerüche festgestellt werden, werden in der Regel beim Durchleuchten oder durch spezielle Detektoren vor der Neubefüllung ausgeschleust und dem Altglas- beziehungsweise Reststoffkreislauf zugeführt. Fachleute und Umweltinitiativen weisen zudem darauf hin, dass Zigaretten als belasteter Abfall gelten und weder in Mehrweg- noch in Altglasflaschen entsorgt werden sollten, weil sie den Reinigungs- und Recyclingprozess verkomplizieren und zusätzliche Behandlungsschritte notwendig machen.

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