Wien - Wilhelm „Willy“ Turecek ist am 9. Februar 2026 gestorben. Mit ihm verliert Wien einen Gewerbetreibenden, Interessenvertreter und Bezirkspolitiker, der sein öffentliches Engagement aus der Perspektive des kleineren und mittleren Unternehmens entwickelte.
Turecek war langjähriges Mitglied des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Wien (SWV). Der Titel Kommerzialrat, den er führte, markierte nicht nur eine persönliche Auszeichnung, sondern verwies auf jahrzehntelange Tätigkeit an der Schnittstelle von Betrieb, Kammer und Kommunalpolitik. In den Gremien des Verbands war er über viele Jahre präsent, bei Veranstaltungen trat er als einer jener Funktionäre auf, die eher das Gespräch im kleinen Kreis als die große Bühne suchten.
Bekannt wurde Turecek vor allem im ersten Wiener Gemeindebezirk, wo er als Gastronomie-Obmann in Erscheinung trat. In dieser Funktion hatte er es mit einem Milieu zu tun, in dem sich touristische Erwartungen, Interessen internationaler Marken und die Anliegen alteingesessener Betriebe regelmäßig überschneiden. Die Versuche, zwischen städtischen Vorgaben, Kammerpolitik und den Bedürfnissen der Wirte zu vermitteln, prägten sein Bild in der lokalen Wirtschaft.
Der Bezirk, in dem Turecek wirkte, war in den vergangenen Jahren mehrfach von Debatten über Nutzungsdruck, Mietpreise und Veränderungen im Geschäftsbesatz betroffen. Gerade in dieser Umgebung galt der Fokus auf klassische Kleinbetriebe als Signal, dass es in der Interessenvertretung auch um jene gehen sollte, deren Spielraum begrenzt ist und die strukturellen Entwicklungen oft nur nachvollziehen können. Turecek bewegte sich dabei in einem Spannungsfeld aus wirtschaftlicher Anpassung an neue Besucherströme und der Behauptung gewachsener Betriebsformen.
Politiker vom "alten Schlag"
Der Tod eines solchen Vermittlers zwischen Bezirkspolitik, Kammer und Verband verweist auf eine Generation von Wiener Wirtschaftsfunktionären, deren Biographien eng mit konkreten Stadtvierteln verbunden sind. In ihren Laufbahnen spiegeln sich die Verlagerungen im innerstädtischen Handel und in der Gastronomie ebenso wie der Wandel der Parteiorganisationen und Berufsvertretungen. Turecek gehörte zu jener Gruppe von Akteuren, die diese Veränderungen weniger in programmatischen Texten als im Alltag von Sitzungen, Kompromissen und gelegentlichen Konflikten austrugen.
Mit seinem Tod verliert der Wiener Innere Bezirk eine bekannte Figur der lokalen Wirtschaftsszene, der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband eines seiner langjährigen Mitglieder. Was von Turecek bleibt, sind die Spuren eines Berufslebens, das sich aus der Perspektive der kleinen und mittleren Betriebe der Stadt verstand und in der kommunalen Interessensvertretung seinen Ausdruck fand.