Jacksonville - Anheuser-Busch InBev richtet seine US‑Kapazitäten weiter auf die wegen seiner wenigen Kohlenhydrate geschätzten Biermarke Michelob Ultra aus. Der Schritt fällt in eine Phase, in der sich die Rangliste der meistverkauften Biere in den Vereinigten Staaten spürbar verschoben hat.
Der Braukonzern kündigte am 6. Januar an, rund 30 Millionen US‑Dollar in seinen Standort Jacksonville im Bundesstaat Florida zu investieren. Das Geld soll in neue Gärtanks, modernisierte Abfüllanlagen und die Erweiterung der Verpackungslinien fließen, um die Produktion von Michelob Ultra zu erhöhen und die zugehörige Dosenfabrik zu stützen. Die Investition ist Teil eines Programms, mit dem der Hersteller nach eigenen Angaben die industrielle Basis in den USA festigen und Arbeitsplätze sichern will.
Karriere eines leichten Bieres
Das 2003 als Herausforderung für das kalorienarme Miller Lite eingeführte Michelob Ultra hat sich in den vergangenen Jahren von einer Ergänzung im Portfolio von Anheuser‑Busch zu einem zentralen Volumenträger entwickelt. Konzernchef Michel Doukeris verwies im Herbst darauf, dass die Marke im laufenden Jahr in den USA erstmals führend nach Absatzvolumen gewesen sei. Branchenberichte und Handelsdaten verorten Michelob Ultra inzwischen vor den langjährigen Marktführern Bud Light und, gemessen an Stückzahlen, knapp vor dem Importbier Modelo Especial.
Die Neugewichtung lässt sich vor allem in den Statistiken der US‑Getränkefachpresse ablesen. Beer Marketer’s Insights verweist auf Nielsen‑IQ‑Daten, nach denen Michelob Ultra im Handel – insbesondere in Supermärkten und Convenience Stores – Bud Light in wichtigen Verkaufsphasen überholt hat, während Modelo Especial nach Umsatz an der Spitze steht. Fachpublikationen wie Impact Databank und weitere Branchenbriefe zeichnen ein ähnliches Bild: Michelob Ultra führt beim Volumen, Modelo Especial beim Wert, Bud Light ist auf den dritten Rang zurückgefallen.
Drei Biertrends
Die Liste der Biere mit den höchsten Verkaufszahlen in den USA wird damit von drei Marken dominiert, die jeweils unterschiedliche Verbrauchergruppen adressieren. Modelo Especial, in den Vereinigten Staaten von Constellation Brands vermarktet, profitierte von der anhaltenden Nachfrage nach mexikanischen Importbieren und einem im Vergleich zu klassischen US‑Lagerbieren anderen Geschmacksprofil. Michelob Ultra positioniert sich als kalorien- und kohlenhydratreduziertes Leichtbier und verknüpft diese Eigenschaft mit Sponsoring im Sport- und Fitnessumfeld. Bud Light, lange Referenzprodukt des Segments, verliert seit der Boykottwelle des Jahres 2023 weiter an Marktanteilen, bleibt aber wegen seiner Basis im Fassbierbereich eine der volumenstärksten Marken.
Für AB InBev ergibt sich daraus eine veränderte interne Hierarchie. Michelob Ultra gilt im US‑Geschäft inzwischen als bedeutendste Marke des Konzerns, nachdem Bud Light an Strahlkraft eingebüßt hat. Die Mittel für Jacksonville bauen frühere Investitionen von mehr als 100 Millionen Dollar an diesem Standort seit 2021 aus und sollen die Versorgung des Marktes mit Dosenbier sicherstellen.
US-Markt schrumpft insgesamt
Die Produktionsausweitung fällt in eine Phase, in der der gesamte US‑Biermarkt strukturell unter Druck steht. Nach Analysen des Datenhauses IWSR und des Branchenverbands der Distributoren ist der Ausstoß seit Jahren rückläufig, während sich Nachfrage in Richtung höherpreisiger, stärker profilierter Produkte verschiebt. Wachstumsimpulse kommen demnach eher aus Segmenten wie alkoholfreiem Bier, mexikanischen Importmarken oder Spezialbieren, während traditionelle Mainstream‑Lagerbiere Volumen einbüßen.
In diesem Umfeld versuchen die führenden Brauereigruppen, ihre Kapazitäten näher an den profitableren Marken auszurichten. Constellation Brands konzentriert sich auf die Modelo‑Familie, Molson Coors stärkt Marken wie Coors Light und Miller Lite, während AB InBev mit Michelob Ultra und ausgewählten Innovationsprodukten auf veränderte Konsumgewohnheiten reagiert. Der Ausbau in Jacksonville legt nahe, dass der Konzern die Nachfrage nach Leichtbier mit sportlichem und gesundheitsorientiertem Image nicht als kurzfristige Mode einstuft, sondern als Entwicklung, die seine amerikanische Markenarchitektur prägt.
Konsolidierung auf dem Craftbier-Markt
Unter den unabhängigen Brauereien zählen nach wie vor größere Craftbierproduzenten wie Deschutes, Sierra Nevada, Boston Beer oder Allagash zu den absatzstärkeren Marken, wie Ranglisten der Brewers Association zeigen. Deschutes etwa verzeichnet nach Branchenberichten mit seiner IPA‑Linie „Fresh Squeezed“ und neuen alkoholfreien Bieren wieder Zuwächse und gewinnt durch Kooperationen mit großen Einzelhändlern zusätzlichen Vertrieb. Zugleich leidet die Craft‑Szene insgesamt unter rückläufigem Ausstoß, steigenden Kosten und einer wachsenden Zahl von Schließungen: Laut Verbands- und Branchendaten ist die Produktion kleiner und mittlerer Brauereien seit 2023 mehrfach geschrumpft, 2024 schlossen in den USA erstmals mehr Craftbrauereien, Taprooms und Brewpubs als eröffneten. Branchenmedien wie Beer Marketer’s Insights und spezialisierte Titel berichten von sinkenden Schankmengen in Taprooms, Konsolidierungen und Standortschließungen, während nur wenige größere Marken wie Deschutes, Athletic oder regionale Platzhirsche in Kernmärkten ihre Position behaupten oder leicht ausbauen konnten.
https://www.reuters.com/business/retail-consumer/ab-inbev-pour-30-milli…