Ried/Seeon/ Prag - Österreichs Brauer und Braumeister verbringen ihre Weiterbildung zunehmend nicht im Seminarraum, sondern auf der Straße, im Sudhaus und in ausländischen Wirtshäusern. Studienreisen nach Tschechien, Deutschland oder Italien verbinden technische Besichtigungen mit der Beobachtung fremder Biermärkte – und sie tragen dazu bei, dass sich eine traditionell regional verankerte Branche stärker international orientiert.
Ein Beispiel dafür ist die jüngste Exkursion der Bierregion Innviertel nach Tschechien, bei der eine Gruppe oberösterreichischer Brauer zunächst Budějovický Budvar in České Budějovice besuchte. Das staatliche Unternehmen hat 2024 gut 1,9 Millionen Hektoliter Bier produziert und seine Ausstoßrekorde in den vergangenen Jahren mehrfach gesteigert. Für die Gäste aus dem Innviertel stand weniger die Bilanz im Vordergrund als der Produktionsalltag eines Exportbetriebs, der seine Lagerbiere in zahlreiche Länder liefert und dabei auf Herkunftsbezeichnungen und rechtliche Absicherung der Marke achtet. Die Besichtigung des Sudhauses, der Abfüllanlagen und der Logistik sollte zeigen, wie ein nationaler Player seine Rolle in einem internationalen Markt definiert.
Lernen von bierigen Gastro-Konzepten
In Prag verschob sich der Fokus von der Großbrauerei auf die Verbindung von Braukunst und Gastronomie. Das historische Wirtshaus „U Fleků“ mit angeschlossener Brauerei steht für einen Betrieb, der einerseits vom Tourismus profitiert, andererseits aber einen festen Platz in der städtischen Alltagskultur behauptet. Für die Innviertler Brauer bot sich die Möglichkeit, die Schankorganisation, die Speisekarte und den Umgang mit einem konstant hohen Gästeaufkommen zu beobachten – Fragen, die auch für österreichische Biergastronomie von Interesse sind. Ergänzt wurde das Programm durch eine Stadtführung und eine Schifffahrt auf der Moldau, die zwar touristische Elemente enthielten, zugleich aber den Rahmen für fachliche Gespräche innerhalb der Gruppe bildeten. Auf der Rückfahrt lag noch ein Besuch bei der Destillerie von Peter Affenzeller in Alberndorf, wo es um die Rolle von Edelbränden im Zusammenspiel mit Bier und regionaler Kulinarik ging.
Parallel zu solchen regional organisierten Exkursionen pflegt der Bund österreichischer Braumeister und Brauereitechniker seine Tradition der Frühjahrsstudienfahrten. Am 25. April führte sie die Teilnehmer nach Seeon in Oberbayern, zum Brauanlagenhersteller BrauKon und zur angeschlossenen Brauerei Camba Bavaria.
Kombination von Brautechnik und innovativen Rezepten
BrauKon entwickelt und baut Brauereien für mittelständische und größere Kunden und nutzt Camba Bavaria als Referenzbetrieb, in dem sich Anlagen und Verfahren im laufenden Betrieb testen lassen. Für österreichische Braumeister, die vor Investitionsentscheidungen stehen oder bestehende Kapazitäten modernisieren wollen, ist der direkte Einblick in Planung, Fertigung und Inbetriebnahme solcher Anlagen von praktischem Nutzen.d
Begonnen hat der Besuch mit einer Einführung in das Unternehmen und einem Rundgang durch die Fertigungshallen, in denen Sudpfannen, Gärtanks und andere Komponenten entstehen. Anschließend besichtigte die Gruppe die Brauerei Camba Bavaria, die in den vergangenen Jahren Hunderte von Bieren eingebraut hat und am Standort Seeon auch eine Dosenlinie sowie ein Energiekonzept zur Rückgewinnung von Kohlendioxid präsentiert.
Der Präsident des Bundes österreichischer Braumeister und Brauereitechniker, Andreas Urban, fasste den Eindruck später so zusammen: „Wir bedanken uns bei Christian Nuber und dem BrauKon Team recht herzlich für den bierigen Empfang, den intensiven Rundgang und die bayrische Brotzeit. Wir hatten die Möglichkeit die Brauerei mit der eindrucksvollen Fertigung zu besichtigen sowie Bierspezialitäten von Camba Bavaria bei einer individuellen Verkostung zu genießen.“ Die Formulierung verweist auf das doppelte Ziel solcher Besuche: einerseits den sachlichen Einblick in Technik und Abläufe, andererseits den persönlichen Austausch mit den Gastgebern.
Fortbildung durch Kollegialität
Den Abschluss der diesjährigen Studienfahrt bildete ein Abend in der Augustiner Brauerei Kloster Mülln in Salzburg, einem der traditionellen Klosterbetriebe im österreichischen Biermarkt. Dort stand weniger die Produktionsanlage im Vordergrund als die Frage, wie sich historische Braustätten in einem sich wandelnden Gastronomie- und Tourismusumfeld behaupten. Die Diskussionen unter den Teilnehmern drehten sich um Themen wie Energieverbrauch, Investitionszyklen und die Erwartungen jüngerer Gäste an Sortenvielfalt und alkoholarme Angebote. Dass ein solcher „bieriger Abschluss“ zugleich als informeller Branchentreff dient, gehört inzwischen zum Selbstverständnis des Bundes.
Derartige Reisen sind Teil eines breiter angelegten Fortbildungskonzepts, das klassische Seminare, Tagungen und lokale Stammtische ergänzt. Während der Bund österreichischer Braumeister und Brauereitechniker seit Jahrzehnten auf Arbeitstagungen setzt, bei denen technische Vorträge und Diskussionen im Vordergrund stehen, sollen die Studienfahrten den Blick auf konkrete Anlagen und Märkte lenken. Für die Betriebe im Innviertel, die sich in einer eigenen Bierregion zusammengeschlossen haben, gilt Ähnliches: Exkursionen nach Bamberg, Bozen, Hamburg oder Prag dienen dazu, sich über Braustile, Vermarktung und Tourismuskonzepte anderer Regionen zu informieren. In beiden Fällen ist auffällig, dass sich die österreichische Brauszene nicht nur an den großen internationalen Marken orientiert, sondern gerade den Austausch mit mittelständischen und regional verankerten Betrieben sucht, um Antworten auf gemeinsame Herausforderungen zu finden.
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https://camba-bavaria.de
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