Regensburg/Kelheim - Die geplante Übernahme der Markenrechte an Bischofshof und Weltenburger durch die Kelheimer Brauerei Schneider Weisse markiert einen Einschnitt in der bayerischen Bierlandschaft. Hinter dem Schritt steht nicht nur eine wirtschaftliche Neuordnung, sondern auch der Versuch, kirchlich geprägte Brautraditionen in eine neue Eigentümerstruktur zu überführen.
Schneider Weisse will zum 1. Januar 2027 die Rechte an den Marken „Bischofshof“ und „Weltenburger“ von der Regensburger Brauerei Bischofshof erwerben, die seit einiger Zeit unter wirtschaftlichem Druck steht. Mit dem Paket verbunden ist nach derzeitiger Planung auch die Klosterbrauerei Weltenburg an der Donau, die als älteste Klosterbrauerei der Welt gilt und deren Geschichte urkundlich bis mindestens 1050 zurückreicht. Die Vertragspartner haben über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart; die Transaktion soll neben den Markenrechten auch den Logistikbereich von Bischofshof mit insgesamt 21 Beschäftigten umfassen.
Absehbares Aus in Regensburg
Für den langjährigen Bischofshof-Standort Regensburg bedeutet die Vereinbarung das absehbare Ende der dortigen Produktion. Die Brauerei mit 56 Mitarbeitern soll nach jetzigem Stand zum Jahresende 2026 schließen, weil eine wirtschaftliche Grundlage für den Weiterbetrieb nach Darstellung der Eigentümer nicht mehr gegeben ist. Die Logistiksparte und der Braustandort Weltenburg sollen dagegen fortgeführt werden, sodass zumindest ein Teil der Arbeitsplätze in der Region erhalten bleibt.
Bischofshof gehört einer Stiftung des Bistums Regensburg und blickt auf eine Geschichte zurück, die bis 1649 reicht, als Fürstbischof Wilhelm Graf von Wartenberg die Brauerei im Umfeld des Regensburger Doms gründete. Im 19. Jahrhundert wurde der Betrieb in eine kirchliche Stiftung überführt, deren Zweck ursprünglich in der Unterstützung der Priesterausbildung lag, bevor 1908 der Neubau der Brauerei im Westen der Stadt begann. 1973 kam die Klosterbrauerei Weltenburg als eigener Braustandort in den Verbund, während Verwaltung und Logistik in Regensburg gebündelt wurden.
Weltenburger Brautradition
Die Klosterbrauerei Weltenburg selbst steht für eine Brautradition, die sich eng mit der Geschichte des Benediktinerklosters im Donaudurchbruch verbindet. Nach Angaben des Bistums Regensburg wird dort seit mindestens 1050 Bier gebraut; Säkularisation, Klosterauflösung und Wiedererrichtung im 19. Jahrhundert konnten den Betrieb nicht dauerhaft unterbrechen. Das Kloster feierte 2025 „975 Jahre Klosterbrauerei“ und nutzte das Jubiläum für einen Festgottesdienst und ein eigenes Maibockbier.
Schneider Weisse, die Familienbrauerei G. Schneider & Sohn, ist vor allem für ihre Weißbiere bekannt und will mit der Übernahme ihr Portfolio um zwei weitere Traditionsmarken erweitern. Unternehmensangaben zufolge soll die Produktion der Marken mittelfristig am Stammsitz in Kelheim sowie in Weltenburg gebündelt werden, um Synergien zu nutzen und die Auslastung der Anlagen zu verbessern. Die Brauerei verweist auf ihre mehr als 150-jährige Geschichte und stellt die Verbindung zu der jahrhundertealten Historie von Bischofshof und Weltenburg als strategische Ergänzung dar.
Für das Bistum Regensburg, das über die Stiftung Eigentümer von Bischofshof ist, spielt neben wirtschaftlichen Erwägungen die regionale Verwurzelung des Käufers eine Rolle. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer betonte, dass sich mit der jetzt gefundenen Lösung eine vollständige Geschäftsaufgabe oder der Einstieg eines Investors ohne Bezug zur Region vermeiden lasse. Nach seinen Worten war entscheidend, dass Braustätte Weltenburg und Logistik in Regensburg erhalten bleiben und damit auch Arbeitsplätze in der Region gesichert werden.
Mit der Schließung der Brauerei in Regensburg endet gleichwohl ein Kapitel der städtischen Industriegeschichte. Die Brauerei war über Jahrzehnte einer der drei großen, zum Teil kirchlich geprägten Bierproduzenten der Stadt und hat mit Investitionen wie der Sanierung des historischen „Bischofshof am Dom“ im Zentrum Spuren im Stadtbild hinterlassen. Künftig wird der Name Bischofshof zwar weiter im Handel präsent sein, doch die Herstellung verlagert sich aus der Domstadt nach Kelheim.
In der bayerischen Brauwirtschaft fügen sich die Pläne in eine Phase struktureller Anpassungen ein, in der kleinere und mittelgroße Betriebe mit steigenden Kosten, veränderten Konsumgewohnheiten und einem intensiven Wettbewerb umgehen müssen. Zusammenschlüsse, Markenübernahmen und Standortkonzentrationen gelten als ein Weg, auf die Entwicklung der Absatzmärkte im In- und Ausland zu reagieren. Für Schneider Weisse, Bischofshof und Weltenburg bedeutet die nun vereinbarte Konstruktion, dass die Traditionsmarken unter einem gemeinschaftlichen Dach weitergeführt werden sollen, während die bisherige Eigentümerstruktur aufgelöst wird.
https://schneider-weisse.de/startseite
https://www.bischofshof.de/
https://www.weltenburger.de/