Trappisten geht der Nachwuchs aus

von Conrad Seidl 08/01/2026
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Trappisten geht der Nachwuchs aus

Brüssel - Die Welt der Trappistenbiere schrumpft. In den Klöstern, in denen seit Jahrzehnten unter klösterlicher Aufsicht gebraut wird, fehlt der Nachwuchs, die Gemeinschaften überaltern, und gemäß den strengen Regeln für Trappistenbiere dürfen die Biere nicht mehr so genannt werden, selbst wenn die Brauerei ohne den Konvent weiter betrieben wird. Für die Liebhaber dieser Biere ist das mehr als eine Randnotiz der Kirchenstatistik, denn der Fortbestand der Trappistenbier-Tradition hängt direkt an der Zukunft von Orden und Klöstern.

Der Trappistenorden, ein Zweig der Zisterzienser, erlebt seit Jahrzehnten einen deutlichen Rückgang seiner Mitgliederzahlen. Zählten die Klöster 1977 weltweit noch etwa 4.800 Mönche, waren es 2009 nur noch 2.132 und 2020 schließlich rund 1.353. Hinter diesen Zahlen steht ein strukturelles Problem: Viele Gemeinschaften bestehen überwiegend aus älteren Mönchen, während junge Eintritte selten geworden sind.

Verlässlicher Qualitätsbegriff

In der Brauszene war der Orden lange eine feste Größe. Trappistenbier galt als verlässlicher Begriff für Produkte, die innerhalb oder in unmittelbarer Nähe eines Klosters entstehen, unter Verantwortung der Gemeinschaft stehen und deren Erlöse vor allem dem klösterlichen Leben und sozialen Zwecken dienen. Um das Siegel „Authentic Trappist Product“ zu tragen, muss ein Bier genau diese Bedingungen erfüllen; die Brauerei muss in einem Trappistenkloster angesiedelt sein, die Mönche müssen an Herstellung und Vermarktung beteiligt sein, und der Gewinn darf nicht im Vordergrund stehen.

Doch die Basis, auf der dieses Modell ruht, erodiert. Weltweit gibt es zwar noch etwa 170 Trappistenklöster, doch längst nicht alle betreiben eine Brauerei, und in einigen Häusern ist das klösterliche Leben selbst fraglich geworden. Die Zahl der aktiven, brauenden Klöster ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, weil Gemeinschaften schließen oder ihre Rolle in der Produktion aufgeben mussten.

Besonders sichtbar wird der Wandel in Europa. In Österreich hat das Stift Engelszell an der Donau, lange Zeit das einzige Trappistenkloster des Landes, 2023 seine Pforten geschlossen. Der Konvent war überaltert, neue Berufungen blieben aus; mit der Auflösung verschwand auch der begehrte "Authentic Trappist"-Siegel für die dortige Brauerei, deren Biere sich in kurzer Zeit eine feste Nische im Spezialitätensegment erarbeitet hatten.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Niederlanden. Die Trappistenabtei Maria Toevlucht im nordbrabantischen Zundert, in der seit 2013 das Bier „Zundert“ gebraut wurde, steht vor der Auflösung.

Höhenflug der Trappistenbiere

Die Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund einer wechselhaften jüngeren Geschichte. Noch vor gut einem Jahrzehnt schien die Welt der Trappistenbiere im Aufbruch: 2021 wurden weltweit zwölf Trappistenbrauereien gezählt, nachdem es zuvor über rund 150 Jahre hinweg nur sieben gewesen waren. Neue Klöster wie Spencer in den USA oder Zundert in den Niederlanden stießen zur kleinen Gruppe der Braustätten, das Siegel „Authentic Trappist Product“ gewann an Aufmerksamkeit, und der Begriff Trappistenbier fand auch bei jüngeren Konsumenten Resonanz.

Dieser Aufschwung erwies sich jedoch als begrenzt. Das amerikanische Trappistenkloster Spencer stellte den Braubetrieb wieder ein und wurde später geschlossen; die Biere verschwanden vom Markt. In Belgien verlor die Marke Achel 2021 ihren Status als Trappistenbier, weil im entsprechenden Kloster keine Mönche mehr lebten und damit eine zentrale Voraussetzung für das Siegel entfiel. Mit jeder dieser Entscheidungen wird sichtbar, wie eng das Produkt an die konkrete Existenz der Gemeinschaft vor Ort gebunden ist.

Orval als leuchtendes Beispiel

Noch halten einige Häuser an der Tradition fest. Die Abtei Orval im Süden Belgiens gilt als eines der bekannten Zentren der Trappistenbraukunst, deren Biere nur vor Ort und unter Einhaltung strenger Kriterien hergestellt werden. Der Sondersud „Le Petit Orval“ ist ausschließlich in der unmittelbaren Umgebung erhältlich, der Erlös fließt in den Unterhalt des Klosters und in soziale Projekte. Orval steht damit exemplarisch für das Modell, in dem klösterliche Spiritualität, handwerkliche Produktion und regionale Verankerung verbunden sind.

Gleichzeitig macht gerade ein Ort wie Orval deutlich, wie verletzlich diese Ordnung ist. Die Öffnungszeiten, Führungen und das Gästehaus zeigen, wie wichtig der Besucherverkehr und der Verkauf vor Ort für das wirtschaftliche Gefüge geworden sind. Fällt die Gemeinschaft als Träger weg, bleibt zwar oft die bauliche Hülle, doch die Produktion im strengen Sinne eines Trappistenbiers kann dann nicht einfach auf andere Betreiber übergehen.

Für den Markt bedeutet die Entwicklung eine langsame Verengung des Angebots. Nach der Schließung von Zundert wird von Branchenbeobachtern erwartet, dass weltweit nur noch acht Brauereien Biere mit dem Siegel „Authentic Trappist Product“ anbieten können. Während andere Kloster- und Spezialbiere von profanen Brauereien oder in Kooperationen problemlos weitergeführt werden können, ist beim Trappistenbier die personelle Ausstattung der Klöster der begrenzende Faktor.

Klösterliche Lebensform auf dem Rückzug

In den Klöstern selbst stellt sich die Frage nach der Zukunft in anderer Schärfe. Das Bier war über Jahrzehnte ein verlässlicher Pfeiler der Eigenfinanzierung, neben Käse, Brot oder anderen Produkten aus klösterlicher Herstellung. Wenn die Gemeinschaft schrumpft, steht nicht nur der Braukessel still, sondern das gesamte wirtschaftliche Modell einer Lebensform, die auf Rückzug, Gebet und Arbeit gründet, gerät unter Druck.

Ein Ausweg über eine weitgehende Auslagerung der Produktion an externe Partner stößt an Grenzen. Der Orden knüpft das Siegel an die Bedingung, dass Mönche nicht nur formal, sondern tatsächlich an der Produktion beteiligt sind und die wirtschaftliche Steuerung verantworten. Wo diese Voraussetzung nicht mehr erfüllt werden kann, bleibt nur der Verzicht auf die Bezeichnung, auch wenn Marke und Rezeptur in anderer Form fortbestehen könnten, wie das nun in Engelszell praktiziert wird.

In der Bierszene wächst damit die Distanz zwischen einem traditionsreichen, aber zahlenmäßig kleiner werdenden Segment und einem florierenden Craft‑Markt, der auf neue Stile, Kollaborationen und flexible Produktionsformen setzt. Während viele unabhängige Brauereien ihren Gründungsmythos in Geschichten von Garage, Start-up oder regionaler Verwurzelung erzählen, steht hinter den Trappistenbieren eine jahrhundertealte Institution, deren Zukunft sich nicht primär an Absatzkurven orientiert.

Gefragte Restbestände

Für Konsumenten bedeutet der Rückgang der Trappistenklöster eine schleichende Verknappung bestimmter Biere. Einige Sorten sind bereits nur noch in Restbeständen im Handel oder gar als Anlageobjekte erhältlich - was angesichts langer Haltbarkeit auch sinnvoll ist. Andere werden mit Hinweis auf veränderten Status oder endende Produktion ausgelistet. Zugleich steigt die Aufmerksamkeit für das, was noch existiert: Besuche in den verbliebenen Klöstern, Führungen durch Brauanlagen und Verkostungen vor Ort werden zunehmend als besondere Erfahrung wahrgenommen.

Die Frage, ob das Trappistenbier eine Zukunft hat, führt damit über den Biermarkt hinaus. Sie berührt das Selbstverständnis religiöser Gemeinschaften in säkularen Gesellschaften, in denen klösterliche Lebensformen nicht mehr selbstverständlich anschlussfähig sind. Solange sich in einigen Klöstern noch Männer finden, die mit Gebet und Arbeit ihren Alltag strukturieren, wird auch der Duft von Malz und Hopfen in den Kreuzgängen nicht ganz verstummen – doch die Zahl dieser Orte nimmt ab, und die Entwicklung lässt sich an den Statistiken ebenso ablesen wie an den Regalen im Handel.

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