Vor dem Tripel kam das Dubbel - vor genau 100 Jahren

von Conrad Seidl 25/08/2026
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Vor dem Tripel kam das Dubbel - vor genau 100 Jahren

Antwerpen - In der Abtei Westmalle, nordöstlich von Antwerpen, wird in diesen Tagen nicht das Bier gefeiert, das den Namen des Klosters weltweit am stärksten geprägt hat. Im Mittelpunkt steht vielmehr ein dunkler Vorläufer: Das Westmalle Dubbel, dessen Rezeptur die Trappistenmönche 1926 abschlossen, wird hundert Jahre alt. Die Bezeichnung „Dubbel“ verwies damals auf die im Vergleich zum bisherigen Braunbier verdoppelte Malzmenge. Erst später rückte das 1934 erstmals gebraute, helle und stärker eingebraute Tripel an die Spitze der Bekanntheit.

Das Jubiläum verweist auf eine Zeit, in der die heutige Ordnung belgischer Bierstile noch keineswegs feststand. Die Mönche der Abtei Unserer Lieben Frau vom Heiligen Herzen hatten 1836, im Jahr der Erhebung ihres Klosters zur Abtei, zunächst Bier für den eigenen Bedarf gebraut. In den Rechnungsbüchern von 1856 erscheinen bereits zwei Sorten: ein leichtes Tischbier für die Gemeinschaft und ein etwas kräftigeres braunes Bier. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde dieses dunkle Bier weiterentwickelt; in den zwanziger Jahren bürgerte sich dafür die Benennung „Dubbel Bruin“ ein.

Mit der Rezeptur von 1926 erhielt das Bier seine bis heute erkennbare Gestalt: ein rötlich-braunes, obergäriges Starkbier mit Flaschengärung und sieben Volumenprozent Alkohol. Seine Kombination aus dunklem Malz, Hefeprofil und trockener Bittere wurde später zum Bezugspunkt für zahlreiche belgische Dubbels. Die stilgeschichtliche Bedeutung darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Westmalle sein internationales Bild heute vor allem dem Tripel verdankt. Das goldgelbe Bier mit 9,5 Volumenprozent wurde 1934 erstmals gebraut und nach einer Rezepturänderung von 1956 zu einem der weithin bekannten Beispiele dieses Typs. Dass die Begriffe Dubbel und Tripel inzwischen als Gattungsnamen erscheinen, ist daher auch das Ergebnis der Wirkungsgeschichte einer einzelnen Klosterbrauerei.

Zum Trappistenbier ein Trappistenkäse

Zum Jubiläum trägt die 33-Zentiliter-Flasche seit Mitte August vorübergehend ein Sonderetikett mit passendem Kronkorken. Hinzu kommt ein Jubiläumsglas mit silbernem Rand; im Herbst sollen 75-Zentiliter-Flaschen und Drei-Liter-Jeroboams mit Emaildekor folgen. In ausgewählten Gaststätten, die das Dubbel vom Fass ausschenken, ist von Ende September bis Ende Oktober zudem eine eigens hergestellte Käseportion vorgesehen. Dem Käse wurde während der Produktion Westmalle Dubbel zugesetzt; gereift wurde er mindestens hundert Tage.

Die wirtschaftliche Grundlage des Jubiläums bleibt klösterlich organisiert, auch wenn die Produktion längst auf professionelle Betriebsgrößen angewiesen ist. Die Abtei zählt nach eigenen Angaben 17 Mönche; in Brauerei, Landwirtschaft, Bäckerei und Käserei arbeiten daneben weltliche Beschäftigte. Die Brauerei stellt Extra, Dubbel, Tripel und Duo her und kommt insgesamt auf etwa 120.000 Hektoliter im Jahr. Der Trappistenname ist keine bloße Stilbezeichnung: Er ist an die Verbindung mit einer Trappistenabtei gebunden und wird von der International Trappist Association überwacht. In Belgien dürfen neben Westmalle nur Chimay, Orval, Rochefort und Westvleteren diese Herkunftsbezeichnung führen.

Das Dubbel war damit nicht einfach die dunkle Schwester des Tripel. Es war das Bier, an dem Westmalle die Verbindung von klösterlicher Selbstversorgung, handwerklicher Spezialisierung und überregionalem Vertrieb erprobte. Hundert Jahre später erinnert das Jubiläum daran, dass die Rangfolge im Sortiment nicht mit der Reihenfolge der Geschichte übereinstimmt: Vor dem Tripel stand das Dubbel. 

https://www.trappistwestmalle.be/en/