Wallfahrerwirt "Zum Goldenen Löwen" feiert Jubiläum

von Conrad Seidl 26/02/2026
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Wallfahrerwirt "Zum Goldenen Löwen" feiert Jubiläum

Maria Taferl - Als Lambert Frey am 15. Dezember 1906 den Gasthof „Zum Goldenen Löwen“ in Maria Taferl erwarb, investierte er 50.000 Kronen in ein Haus, das damals schon eine lange Wirtshaustradition hinter sich hatte – 1773 ist an dieser Stelle bereits ein „Gastgeber und Bethenhändler bei den Löben“ belegt. Am Dreikönigstag 1907 eröffnete der Urgroßvater des heutigen Wirts Andreas Frey den Gasthof neu, in der Einladungsurkunde wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, „dass es gut abgelagerte Wieselburger Biere im Ausschank gibt“ – eine Formulierung, auf die sich der Betrieb auch 120 Jahre später noch beruft. „Das ist bis heute so geblieben“, sagt Andi Frey, der den Löwen gemeinsam mit seiner Frau Margit in vierter Generation führt. Die Ankündigung aus der Kaiserzeit ist damit zum programmatischen Satz für ein Haus geworden, das seine Position im Nibelungengau zwischen Pilgertourismus, Ausflugsverkehr und regionaler Gastronomie mit einem klaren Bekenntnis zur Bierkultur verbindet.

Die Chronik, die im Betrieb geführt wird, ordnet die Geschichte des Hauses in die Entwicklung des Wallfahrtsortes ein: 1660 wurde der Grundstein für die Gnadenkirche gelegt, 1672 ist am Standort des heutigen Gasthauses ein Stadelbau dokumentiert, und nach dem Ortsbrand von 1870 entstand das vielbesuchte Dorf in der heute vertrauten Form, inklusive der Bausubstanz, die den Löwen prägt. Der Übergang zur Familie Frey markiert einen Einschnitt, der bis in die Gegenwart wirkt, nicht zuletzt, weil der Betrieb bewusst als Familienunternehmen geführt wird und Generationswechsel in Etappen mit baulichen Anpassungen und Erweiterungen verbunden waren. 1920 erfolgte der erste größere Umbau unter Lambert Frey, später kamen Speisesaal, Hausmuseum und ein Zubau mit Küchenerweiterung hinzu; 2006 wurde „100 Jahre Gastlichkeit der Familie Frey“ gefeiert, 2016 das 110-Jahr-Jubiläum. Für 2026 kündigt Andreas Frey nun an: „2026 feiert Familie Frey das 120jährige Jubiläum am Goldenen Löwen.“

Der Raum, in dem sich diese Geschichte für Gäste am unmittelbarsten zeigt, ist die Gaststube, die 1926 neu gebaut wurde und heute als Herzstück des Hauses gilt. „Im Jahr 1926, also vor genau 100 Jahren, wurde die Gaststube neu gebaut, welche heute das Herzstück des Hauses ist“, formuliert Frey. Die Holzvertäfelung, die Thonetstühle samt Tischen, die alte Schank – „alles erinnert im Heute daran, wie ein vertrautes Wirtshaus aussehen soll“. Die Beschreibung verweist auf ein Einrichtungskonzept, das nicht auf raschen Wechsel, sondern auf Kontinuität zielt und in der niederösterreichischen Wirtshauslandschaft als Gegenmodell zu austauschbaren Gasträumen wirkt. Dass der Löwe in touristischen Veröffentlichungen als „gestandenes Wirtshaus“ mit holzvertäfelten Stuben porträtiert wird, passt zum Selbstbild der Betreiber, die ihre Aufgabe darin sehen, klassische Wirtshauskultur zu bewahren und zugleich ein Boutique-Hotel zu führen.

Für Andreas Frey, der seit 2013 Diplom-Biersommelier ist, ist die Geschichte des Hauses untrennbar mit der Geschichte des Bieres verbunden, das hier ausgeschenkt wird. „Schon damals wurde in der Einladungsurkunde darauf hingewiesen, dass es gut abgelagerte Wieselburger Biere im Ausschank gibt“, erinnert er an den Beginn unter Urgroßvater Lambert, um dann den Bogen zur Gegenwart zu schlagen. Die Bindung an die Wieselburger Brauerei, die seit über 100 Jahren den Löwen beliefert, interpretiert Frey als Teil regionaler Biergeschichte: In einer Zeit, als für Bier noch Gebietsschutz galt, war der Löwe ein Haus, in dem ein bestimmtes Markenprofil gepflegt wurde – eine Praxis, die über verschiedene Eigentums- und Konzernstrukturen der Brauindustrie hinweg beibehalten wurde. Die Skepsis mancher Gäste gegenüber Konzernbieren kommentierte Frey in einem Gespräch mit dem Wirtshausführer mit dem Hinweis, man müsse „das Historische betrachten“, wenn man die Rolle dieser Biere in der Versorgung der Region verstehen wolle: Dem Großvater wurden noch hölzerne 200-Liter-Fässer mit dem Pferdefuhrwerk aus Wieselburg geliefert.

Die Bierkompetenz des Hauses erschöpft sich aber nicht im Stammgetränk aus Wieselburg. Andi ist ein Wirt, der sich seine Reisen nach der lokalen Bierkultur aussucht, der zu jeder Speise eine passende Bierbegleitung sucht und Bierverkostungen auch in Wachauer Weinkellern durchführt. „Bier erleben am Taferlberg – informativ & spannend“ lautet der Titel jener Verkostungsformate, bei denen in Gruppen von vier bis zwölf Personen österreichische Bierstile probiert werden, ergänzt um Erläuterungen zu Rohstoffen, Brauprozess und Glaskultur. Eine kleine Tour durch das Wirtshaus gehört dabei dazu, der Wirt versteht das als Gelegenheit, „unser Nationalgetränk näher“ zu bringen. Für den Gasthof, heißt es in einer touristischen Beschreibung, spiele die Pflege der heimischen Bierkultur eine „essenzielle Rolle“; Andreas Frey wird dort ausdrücklich als Biersommelier vorgestellt.

Die Kombination aus Wallfahrtsgasthof, Pilgerwirtshaus am Jakobs- und Jerusalemweg und Bierlokal mit spezialisiertem Angebot hat dem Goldenen Löwen in den vergangenen Jahren ein breites Publikum beschert. Mitglieder von Touristenklubs und alpinen Vereinen finden hier seit Jahrzehnten Quartier, der Wirt tritt zugleich als Wanderführer auf und bietet geführte Touren in der Region an. Im Haus selbst verweist ein kleines Museum mit dem mechanischen „Alpenpanorama Maria Taferl“ auf die lokale Fremdenverkehrsgeschichte; über hundert bewegliche Figuren inszenieren eine Zeitreise, die von Besuchern mit einer freiwilligen Spende honoriert wird. In jüngerer Zeit haben Bildungs- und Kulturinitiativen den Gasthof als Ort für Veranstaltungen entdeckt, bei denen Bier als kulturelles Thema verhandelt wird – etwa wenn Biersommeliers und Kulturhistoriker gemeinsam vor einem Publikum auftreten, das sich für die Verbindung von Pilgertradition und Biergeschichte interessiert.

Biererleben am Taferlberg

Im Jubiläumsjahr legt die Familie Frey besonderen Wert darauf, das Profil als Wirtshaus mit ausgeprägtem Bier-Schwerpunkt zu schärfen. In der Selbstdarstellung heißt es: „Zum Goldenen Löwen – Wirtshauskultur & Selected Stay in Maria Taferl!“ Die Formulierung soll den Doppelcharakter des Hauses als Gasthof und Boutique-Hotel sichtbar machen, ohne den Anker in der Wirtshauskultur zu lösen. „Überzeugen Sie sich selbst und buchen das legendäre ‚Biererleben am Taferlberg‘ samt Übernachtung in den stilvollen Zimmern des Boutique Hotel Zum Goldenen Löwen“, lädt Frey ein – ein Angebot, das die Bierverkostungen mit der Hotellerie verbindet und den Aufenthalt am Taferlberg als kompaktes Programm auslegt.

Die Kontinuität, mit der die Familie Frey den Löwen seit 1906 führt, ist in einer Branche, die von Betriebsaufgaben und Eigentümerwechseln geprägt ist, ein bemerkenswerter Befund. Margit und Andreas Frey sind seit 2005 Gastgeber, unterstützt von den Eltern, die weiterhin im Haus präsent sind. Der Betrieb positioniert sich in der niederösterreichischen Wirtshauskultur mit der Betonung regionaler Küche, mit zertifizierten Qualitätsprogrammen und mit einem klar artikulierten Anspruch an die Bierpflege, der von der Auswahl der Biere über die Glaskultur bis zur kommentierten Verkostung reicht. Während draußen am Platz vor der Basilika der Pilgerstrom nicht abreißt, richtet sich drinnen in der holzvertäfelten Gaststube der Blick auf jene Schank, an der seit 120 Jahren Wieselburger Bier ausgeschenkt wird.

https://www.freyswirtshaus.at