Plzeň. – Es ist eine Geste, die im Ritual des Vatikans eher ungewöhnlich wirkt und doch seit Jahren ihren festen Platz im Kirchenkalender gefunden hat: Aus der westböhmischen Stadt macht sich zu Ostern erneut eine Ladung Pilsner Lagerbier auf den Weg zum Heiligen Vater in Rom. Plzeňský Prazdroj, der Hersteller des Pilsner Urquell, hat in diesem Jahr 2.026 Flaschen seines Ležák abfüllen lassen, die am Brauereihof vom Pilsner Bischof Tomáš Holub gesegnet und anschließend auf die rund 1.300 Kilometer lange Fahrt in den Vatikan geschickt wurden. Die Zahl der Flaschen folgt dem Kalender: Wie in den Vorjahren entspricht sie dem aktuellen Jahr.
Wie zu Kaisers Zeiten
Der Ostersendung geht eine eigentümliche Vorgeschichte voraus, die noch in die Zeit der österreischisch-ungarischen Monarchie reicht. Ende des 19. Jahrhunderts zählte der Heilige Stuhl zu den Kunden der Brauerei, wie Fachblätter der Zeit belegen. In der Brauerzeitschrift „Kvas“ wurde 1890 berichtet, dass Pilsner Bier auf ärztliche Empfehlung hin in den Vatikan geliefert wurde; ähnliche Hinweise finden sich in den „Neuen Pilsner Nachrichten“ und in den „Pivovarské listy“. Papst Leo XIII. ließ sich demnach den Ležák nach Rom bringen, in einer Phase, in der das damals noch junge Pilsner als leichtes, gut bekömmliches Exportgut galt.
An diese historische Verbindung knüpfte Prazdroj 2011 wieder an. Seitdem geht jedes Jahr vor Ostern ein spezielles Kontingent Pilsner Urquell in den Kirchenstaat. In diesem Jahr ist es die 15. Auflage der modernen Osterlieferung, die der emeritierte Braumeister Václav Berka als Wiederaufnahme einer „alten Tradition des Bieres für den Vatikan“ beschreibt. Berka verweist darauf, dass Pilsner Urquell in Plzeň seit mehr als 183 Jahren gebraut wird und der Heilige Stuhl zu den frühen Stammkunden zählte.
Die diesjährige Aktion erhält eine zusätzliche symbolische Note durch das Pontifikat von Papst Leo XIV., der seit 2025 als 267. Nachfolger des Apostels Petrus die Kirche leitet. In Plzeň wird darauf verwiesen, dass der Name des Papstes an Leo XIII. anknüpfe, unter dem die ersten Lieferungen erfolgt seien. Zudem verweisen tschechische Medien darauf, dass der jetzige Papst dem Bier aus Böhmen nicht abgeneigt sei. Václav Šimek, der Direktor der Pilsner Brauerei, spricht von der Hoffnung, der Heilige Vater werde an den Feiertagen „ein Stück tschechischer Braukunst“ im Glas haben.
Mit dem Segen von Bischof Holub
Der Ablauf folgt einer festen Choreographie. Auf dem Hof der Brauerei wird die spezielle Charge aufgereiht, bevor der Pilsner Bischof Holub ihr den Segen erteilt. Die Flaschen werden anschließend in einem Fahrzeug versiegelt, das die Fracht nach Italien bringt. In diesem Jahr gehören zum Paket nicht nur die Flaschen, sondern auch zwei mundgeblasene Bierkrügel aus tschechischem Glas der Manufaktur Rückl, in die der Name Pilsner Urquell und die Jubiläumspforte der Brauerei graviert sind. Berka begründet das Geschenk von zwei Gläsern damit, dass Bier „gut mit einem Freund zu trinken“ sei.
Die Brauerei verbindet die Sendung nach Rom mit dem Hinweis auf die wirtschaftliche Rolle des Unternehmens. Prazdroj exportiert nach eigenen Angaben in fast 50 Länder und sieht sich als bedeutenden Akteur unter den Bierproduzenten der Region. Die Osterlieferung an den Papst ist in diesem Rahmen ein öffentlichkeitswirksames, aber zahlenmäßig überschaubares Projekt. Das Unternehmen nutzt es, um neben dem Bier auch andere Gewerke vorzustellen: In früheren Jahren erhielt der Papst etwa eine Lieferung in einem kleinen Holzfass, ein Kreuz aus Eichenholz alter Fässer, eine eigens gestaltete Literflasche des Designers Rony Plesl, eine Uhr der Marke Prim sowie eine Glocke aus der Werkstatt von Michal Trvalec.
Eigene Ausstellung von Mai bis Juni
In Plzeň selbst wird die Wiederaufnahme der Tradition in diesem Jahr museal aufgearbeitet. Das Pivovarské muzeum zeigt anlässlich des 15‑jährigen Bestehens der Osterlieferungen sämtliche bislang angefertigten Geschenke an das Kirchenoberhaupt, jeweils im Doppel angefertigt – eines für den Papst, eines für die Ausstellung. Die Schau wird zur Muzeumsnacht am 22. Mai eröffnet und ist bis zum 22. Juni 2026 zugänglich. Damit verbindet die Brauerei die liturgische Dimension des Osterfestes mit der eigenen Unternehmensgeschichte und der Erinnerung an eine Handelsbeziehung, die im späten 19. Jahrhundert begonnen hat und nun in anderer Form wiederkehrt.
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