Wien - Wenn der European Song Contest heuer in Wien stattfindet, werden die Fans mit einem eigenen Fan-Bier feiern können – und zwar mit einem Lagerbier aus der Wiener Ottakringer Brauerei. In der Wiener Stadthalle, im Eurovision Village und an weiteren offiziellen ESC-Schauplätzen wird im Mai das Ottakringer Lager mit 4,7 Prozent Alkohol ausgeschenkt, flankiert von einer strikt limitierten Dosen-Sonderedition im ESC-Design, die als Fan-Bier in den Handel kommt. Während an drei Abenden Musik im Fernsehen und auf der Bühne im Mittelpunkt steht, setzt die Kooperation von European Broadcasting Union, ORF und Brauerei ein deutliches Zeichen dafür, dass zum gemeinschaftlichen ESC-Erlebnis weiterhin ein klassisches, alkoholhaltiges Lagerbier gehört – etwas, das in einer von alkoholfreien Varianten und Gesundheitskampagnen geprägten Gegenwart nicht mehr selbstverständlich ist.
„Der ESC schafft es wie kaum ein anderes Event, Menschen zusammenzubringen – ganz egal, wo sie gerade sind. Genau dieses Gefühl wollten wir einfangen. Ein Bier, das man genießt, das man trinkt, oder einfach nur ein Bier als Begleiter des Abends beim Mitsingen und Mitfiebern“ erklärt Florian Hochebner, Geschäftsführung der Ottakringer Brauerei, zur Positionierung der Brauerei im Kontext der Großveranstaltung.
Wien ist im Mai 2026 zum dritten Mal Austragungsort des Eurovision Song Contest, nachdem Österreich im Vorjahr mit dem Sänger JJ und seinem Titel „Wasted Love“ den Wettbewerb gewonnen hatte. Der ORF setzte sich im Bieterverfahren um die Austragung mit der Bundeshauptstadt gegen Innsbruck durch, weil die Kombination aus bestehender ESC-Erfahrung, Stadthallen-Infrastruktur und touristischer Kapazität als verlässlich galt. Unter dem Motto „Europe, shall we dance?“ erzählt die Stadt die Geschichte ihrer Musiktradition weiter – von Oper und Konzertsaal zur Pop-Bühne – und stellt dem internationalen Fernsehformat eine sehr konkrete Alltagsszene zur Seite: Fans auf Sofas, in Parks oder in Fanzonen, die mit Dosenbier in der Hand Punkte vergeben.
Sonderedition im 12er-Pack
Ottakringer nutzte diese Bühne, um ein ESC-Fanbier zu lancieren, das in seiner Anlage weniger auf Spezialität als auf Vertrautheit setzt. Die Sonderedition wird in 12er-Packs über Billa und Spar vertrieben und soll jene privaten und halböffentlichen Räume erreichen, in denen sich der „eigentliche“ Song Contest oft abspielt: in Wohnzimmern, auf Balkonen, bei improvisierten Public Viewings, wo laut mitgesungen und informell bewertet wird. Das Dosen-Design orientiert sich am visuell lauten, farbintensiven Charakter des ESC und soll Sichtbarkeit erzeugen – nicht nur in der Werbung, sondern vor allem in Kühlschränken und auf Tischen, die für ein paar Tage zur Verlängerung der Bühne werden.
Im Zentrum des Ausschanks steht aber kein Eventbier mit experimentellem Profil, sondern das Ottakringer Lager, ein klassisches Wiener Bier mit moderatem Alkoholgehalt, das an sämtlichen zentralen ESC-Schauplätzen ausgeschenkt wird. Während andere Großveranstaltungen zunehmend alkoholfreie Varianten in den Vordergrund stellen oder mit Mischgetränken arbeiten, betonen Brauerei und ORF die „bewusst zugängliche“ Anlage eines Lagerbieres, das geschmacklich breite Zustimmung finden soll. Die Kooperation rückt damit ein Produkt in die Öffentlichkeit, das zwar Alltagssymbol ist, im Kontext internationaler Regulierungsdebatten zu Alkoholwerbung aber eine ambivalente Rolle einnimmt.
Eng reguliertes Sponsoring Regime
Die Partnerschaft ist in ein eng reguliertes Sponsoring-Regime eingebettet, in dem die EBU zentrale internationale Partner bestimmt und den Gastgeberländern einen begrenzten Spielraum für nationale Marken lässt. Der ORF fungiert hier als Host Broadcaster, der nicht nur die Fernsehproduktion verantwortet, sondern auch jene Werbeauftritte koordiniert, die im österreichischen Umfeld sichtbar werden. Bier ist darin keine Randerscheinung: Ottakringer tritt als offizieller Bierpartner auf, dessen Präsenz von der Stadthalle über das Eurovision Village bis hin zur transformierten Brauerei in Ottakring reicht, die sich an den Finaltagen in ein eigenes ESC-Zentrum mit Disco-Night und Public Viewing verwandeln soll.
Parallel zur Vermarktung hat der ORF sein Auswahlverfahren für den österreichischen Beitrag überarbeitet und in die Sendung „Vienna Calling“ ausgelagert, die auf Zuschauerbeteiligung setzt. Aus diesem Wettbewerb ging der 19-jährige Cosmó hervor, der mit seinem Titel „Tanzschein“ an den Erfolg von JJ anschließen soll, ohne dessen Stil zu kopieren. Der Sender gewinnt damit eine fortlaufende Geschichte, die von den ersten Castings über die Proben bis zur Finalnacht reicht und sich mit den Bildern der Fanzonen, Brauereiveranstaltungen und Wohnzimmerpartys verschränkt, in denen das ESC-Bier präsent ist.
Bier als Teil der Wiener Kultur
Die Rolle des ORF ist in diesem Gefüge nicht nur technisch oder finanziell, sondern kulturpolitisch zu verstehen. Als öffentlich-rechtlicher Sender steht er zwischen dem Auftrag, ein europäisches Kulturereignis zugänglich zu machen, und der Notwendigkeit, es über Sponsoring und Lizenzen zu refinanzieren. Die Einbindung einer lokalen Brauerei erlaubt es, wirtschaftliche Interessen mit einer Erzählung von „Wiener“ Kultur zu verknüpfen, ohne auf internationale Marken zurückzugreifen, die keinerlei Beziehung zur Stadt haben. Gleichzeitig bleibt der ORF an Werbe- und Jugendschutzregeln gebunden, die die Darstellung alkoholischer Getränke begrenzen; Bier erscheint daher im ESC-Kontext weniger als eigenständiger Inhalt, sondern als beiläufiges, gleichwohl deutlich markiertes Element der Inszenierung gemeinschaftlicher Fernsehabende.
Der ESC fungiert somit als Schnittstelle zwischen europäischer Popkultur, städtischer Selbstbeschreibung und alltäglichen Konsumpraktiken. Das Dosenbier im ESC-Design steht gleichberechtigt neben der dreiminütigen Ballade und der Choreografie; alle drei sind Bestandteile eines Rituals, das von Wohnzimmern und Fanzonen aus erzählt, wie sich Europa an einem Fernsehabend selbst betrachtet. Die Entscheidung, dieses Ritual ausdrücklich mit einem Lagerbier mit Alkohol zu verknüpfen, markiert kein nostalgisches Gegenprogramm zum Trend der alkoholfreien Getränke, sondern eher das Beharren auf einer Normalität, in der Bier Teil der urbanen Freizeitkultur bleibt – auch dann, wenn Millionen Menschen zuschauen.
Wer das Finale nicht nur vor dem heimischen Fernseher erleben will, pilgert direkt zur Quelle. Die Brauerei in Ottakring transformiert sich im Mai zum Epizentrum für ESC-Begeisterte:
• 15. Mai: „Ottakringer Disco Night – ESC-Edition“
• 16. Mai: Großes Public Viewing des Finales auf dem Brauereigelände