Stiegl erfolgreichste Brauerei der Austrian Beer Challenge

von Conrad Seidl 21/06/2026
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Stiegl erfolgreichste Brauerei der Austrian Beer Challenge

Muntlix/Salzburg/Wien - Die Austrian Beer Challenge hat der Salzburger Stieglbrauerei einen doppelten Erfolg beschert: Erstmals seit Einführung der Gesamtauszeichnungen fallen „Brauerei des Jahres“ und „Bier des Jahres“ an ein und denselben Betrieb. Damit setzt die seit Jahrhunderten bestehende Privatbrauerei ein Zeichen in einem Wettbewerb, der sich als offizielle Staatsmeisterschaft des heimischen Bieres etabliert hat und für die Branche inzwischen auch als Marktbarometer gilt.

Insgesamt 655 Biere wurden heuer zur Austrian Beer Challenge (ABC) eingereicht, die seit 2003 von der BierIG, der Interessengemeinschaft der Bierkonsumenten, organisiert wird. Rund 100 nationale und internationale Verkoster beurteilten Mitte Mai in Muntlix in Vorarlberg die eingesandten Proben in zwanzig Stil-Kategorien, verkostet wurde im Blindverfahren, um Rückschlüsse auf Braustätte oder Marke auszuschließen. Dass gewerbliche Brauereien und Hobbybrauer getrennt gewertet, aber im gleichen Rahmen verkostet werden, gehört zum Profil dieses Wettbewerbs, der auf die Vielfalt der österreichischen Bierkultur verweisen will.

Stiegl setzte sich im Profibewerb mit vier ersten und drei dritten Plätzen an die Spitze und erreichte damit die für die Wertung „Brauerei des Jahres“ ausschlaggebende Gesamtpunktzahl. Gold gab es unter anderem für das Stiegl-Kreativ Bio Hausbier „Ginder“, das Bio Hausbier „Hopfenlager“ und das Wildshut Bio Mystique, dazu für das Stiegl-Goldbräu in der Kategorie „Österreichisches Märzen“, die im heimischen Markt den mit Abstand größten Absatzanteil repräsentiert. Damit stellt die Privatbrauerei sowohl den Staatsmeister im Leitsektor Märzenbier als auch das „Bier des Jahres“, denn das im Holzfass gereifte Flanders Red aus dem Stiegl-Biergut Wildshut wurde von der Jury als „Best of Show“ ausgezeichnet.

Der Doppelerfolg ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich die Jury für die Sonderwertung quer über alle Stile hinweg ausschließlich auf sensorische Kriterien stützt und keine Marktgrößen berücksichtigt. Wildshut Bio Mystique überzeugte laut Wettbewerbsunterlagen durch Aromatik, Stiltreue und kreative Interpretation eines klassischen flämischen Sauerbierstils, während das Goldbräu in einem Umfeld stark austauschbarer Märzenbiere als besonders stimmig bewertet wurde. Dass beide Spitzenpreise an ein Haus gehen, das mit dem Gut Wildshut auf regionale Rohstoffe und traditionelle Verfahren verweist, verleiht der Diskussion um Herkunft und Brauweise zusätzlich Nahrung.

Erfolgreicher Mittelstand

Auffällig präsent in der Siegerliste der Austrian Beer Challenge sind vor allem einige mittelgroße und kleinere Brauereien, die in mehreren Kategorien in die Medaillenränge kommen. Das Brauhaus Gusswerk etwa erscheint gleich viermal: mit zwei Platzierungen bei den europäischen Ales (Bio‑Horny Betty und Bio‑Nicobar I.P.A), dazu mit der holzfassgereiften Bio‑Alten Kuh und der Bio‑Schwarzen Kuh in der Kategorie Stout und Porter. Ebenfalls deutlich sichtbar ist die Bierschmiede aus Oberösterreich, die mit einem Fruchtbier (Werk Nr. 5 Dörrzwetschke), einem Smoked Baltic Porter, einem dunklen Lager (Rotglut), einem leichten Lagerbier (Funkerl) sowie in den Kategorien Stout und Weizen mehrfach vertreten ist. 

Und: Alle Medaillen für alkoholfreie Biere gingen an die Biermanufaktur Loncium in Kötschach-Mauten.

Auch im nicht-gewerblichen Segment gab es ein klares Ergebnis: „Hobbybrauer des Jahres 2026“ wurde die Wiener Kleinbraustätte Voodoo Brew. Drei erste Plätze – für ein Helles mit dem Namen „Zeitlos“, ein Ober St. Veiter Märzen und ein Pils mit der Aufschrift „Oh, it's a Pils“ – genügten, um in der Gesamtwertung vorne zu liegen und damit die wachsende Szene ambitionierter Heimbrauer in der Hauptstadt sichtbar zu machen. Die parallele Bewertung von Hobby- und Profibieren, wenn auch strikt getrennt, wird von der BierIG als ein Element beschrieben, das Innovation wie Traditionspflege zugleich fördern soll.

Die Organisatoren betonen die Relevanz der Ergebnisse für Konsumenten wie für Brauereien. Teilnehmen dürfen nur Biere, die in Österreich gebraut wurden, womit sich die Auszeichnungen gezielt auf die heimische Produktion beziehen und nicht durch internationale Gastproben relativiert werden. Für die Brauereien gewinnen die Medaillen nach Einschätzung der BierIG zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt weil sie als Qualitätssiegel auf Etiketten, in Verkaufsunterlagen und in der Gastronomie eingesetzt werden können.

Die Veranstaltung selbst bleibt trotz professioneller Organisation in ehrenamtlicher Hand: Mitglieder der BierIG zeichnen für Logistik, Probenverwaltung und Jurybetreuung verantwortlich, der Wettbewerb verfolgt nach Verbandsangaben keine kommerziellen Zwecke. Die diesjährige Preisverleihung in der Volkshochschule Meidling bot neben der Bekanntgabe der Ergebnisse Gelegenheit zum Austausch zwischen Brauern, Hobbybrauern und Fachpublikum; im Anschluss standen Sieger- und Finalbiere zur Verkostung bereit.

Im längerfristigen Vergleich zeigt die Austrian Beer Challenge, wie sich das Spektrum der in Österreich gebrauten Biere verbreitert. Während in früheren Jahren vor allem klassische Lager- und Weizenbiere dominierten, finden heute auch sauer vergorene Spezialitäten, hopfenbetonte Ales und hybridisierte Stile ausreichend Einreichungen, um eigene Kategorien zu rechtfertigen. Der heurige Erfolg eines Flanders Red als „Bier des Jahres“ unterstreicht diesen Wandel und deutet darauf hin, dass sich Konsumenten und Brauer zunehmend auf Geschmacksprofile einlassen, die noch vor wenigen Jahren als randständig gegolten hätten.

Hier sind die kompletten Ergebnisse zu finden:

Gewerbliche Brauereien

 Hobbybrauer