Wichtigster Fachverlag auf Partnersuche

von Conrad Seidl 26/07/2026
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Wichtigster Fachverlag auf Partnersuche

Nürnberg - Der Fachverlag Hans Carl, Herausgeber der Fachzeitschriften „Brauwelt“ und „BrewingScience“, hat beim Amtsgericht Nürnberg einen Antrag auf Insolvenz gestellt und sucht nun nach einem neuen finanzstarken Partner. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Nürnberger Jurist Harald Schwartz bestellt, der die nächsten Schritte im Verfahren koordiniert. Für die Braubranche ist dies ein Einschnitt, weil der Verlag seit Jahrzehnten als zentrale Informationsplattform für Technik, Markt und Forschung gilt. 

Das Unternehmen befindet sich seit mehr als 165 Jahren im Besitz der Familien Schmitt und Carl und beschäftigt derzeit 16 Mitarbeitende. Geschäftsführer Michael Schmitt, Vertreter der sechsten Generation, verweist in einer Stellungnahme auf die einseitige Branchenausrichtung des Hauses: Als auf die Brauwirtschaft und ihre Zulieferer fokussierter Verlag spüre man die angespannte wirtschaftliche Lage der Kundschaft deutlich. Steigende Kosten, Investitionszurückhaltung in vielen Brauereien sowie strukturelle Veränderungen im Medienkonsum haben die Ertragsbasis des Nischenverlags offenkundig geschwächt. 

Im Portfolio des Verlags erscheinen die „Brauwelt“ in deutscher und englischer Sprache als E‑Paper, Printausgabe und mit einem umfangreichen Internetauftritt samt Online-Archiv. Daneben richtet sich die im Open Access publizierte „BrewingScience“ mit peer-reviewten Beiträgen an die wissenschaftliche Gemeinschaft. Fachbücher und Podcasts ergänzen das Angebot und zielen auf technische Führungskräfte, Praktiker in den Betrieben sowie Forscher an Hochschulen und Instituten. 

Gründung im Jahr 1861

Der Fachverlag Hans Carl geht auf den 8. August 1861 zurück, als Johann Carl (1819-1897) in Nürnberg die „Allgemeine Bayerische Hopfenzeitung“ gründete, aus der später die „Brauwelt“ hervorging. Carl war gelernter Schneider, gründete aber dann ein "Kommissions- und Auskunftsbüro" in Roth, brachte sich selbst Grundkenntnisse in Schriftsatz und Zeitungsdruck bei und startete 1856 mit einem "Intelligenz-Blatt" die Berichte über den aktuellen Stand des Hopfenhandels. Die "Allgemeine Hopfenzeitung" wurde 1871 satzungsgemäß das alleinige Organ des neu gegründeten Deuschen Braumeister- und Malzmeisterbunds (DBMB).

Die frühen Jahrgänge dokumentierten vor allem Hopfenhandel, Braumalzversorgung, Gesetzgebung im Bier- und Steuerwesen sowie technische Neuerungen in Sudhaus und Lagerkeller und wurden damit zu einer Art Chronik der industriellen Brauereientwicklung im süddeutschen Raum. Im Umfeld der Fachzeitschrift entstanden zudem Kalender, Tabellenwerke und praxisnahe Handreichungen für Braumeister, die sich an kaufmännische und technische Leitungsebenen der Brauereien richteten.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Hans Carl zu einem Lehr- und Nachschlageverlag für die Brautechnologie, der Standardwerke wie die Lehrbücher von Ludwig Narziss und Werner Back zur Bierbrauerei sowie „Technologie Brauer & Mälzer“ von Wolfgang Kunze betreute, die in zahlreichen Auflagen erschienen und in vielen Brauereischulen als Referenz gelten. Hinzu kamen historische Darstellungen zur Brau- und Unternehmensgeschichte, etwa von Günther Thömmes, sowie die regelmäßig aktualisierten Brauerei-Adressbücher, die als kompaktes „Who is who“ der Brau-, Mälzerei- und Zulieferbetriebe dienen. Diese Verbindung von laufender Fachberichterstattung in der „Brauwelt“, wissenschaftlicher Literatur und systematischen Branchenverzeichnissen prägte das Profil des Verlags bis in die Gegenwart.

Geschäftsbetrieb geht uneingeschränkt weiter

Trotz des Insolvenzantrags soll der Geschäftsbetrieb nach Verlagsangaben uneingeschränkt weiterlaufen. Alle Online- und Printausgaben sollen wie gewohnt erscheinen und Leser wie Werbekunden weiterhin verlässlich bedienen. Die Suche nach einem „starken Investor“, der die Zukunft der beiden Kernpublikationen langfristig sichern soll, steht dabei im Mittelpunkt der laufenden Gespräche.

In der Brauwirtschaft wird die Entwicklung vor dem Hintergrund bereits länger anhaltender Konsolidierungsprozesse beobachtet. Fachinformationen zu Technik, Rohstoffen und Qualitätsmanagement sind für kleinere wie größere Betriebe gleichermaßen relevant, werden aber zunehmend auch über alternative Kanäle wie Verbandsmedien, digitale Plattformen und internationale Kongresse verbreitet. Ein neuer Partner für Hans Carl dürfte daher nicht nur Kapital, sondern auch eine strategische Antwort auf den Wandel der Fachkommunikation einbringen müssen.

Für den Moment richtet sich der Blick der Beteiligten auf das Insolvenzverfahren und die Investorensuche. Gelingt eine Lösung, könnte der Verlag seine Rolle als spezialisierter Informationsdienstleister der Braubranche unter veränderten Eigentumsverhältnissen fortführen. Scheitern die Verhandlungen, stünde die Branche vor der Frage, wie die bislang gebündelten technischen und wissenschaftlichen Inhalte künftig organisiert und verbreitet werden. 

https://brauwelt.com/de/themen/markt/649582-antrag-auf-insolvenz