Strasshof - Das Zündwerk in Strasshof an der Nordbahn hat erneut Anlass zur feierlichen Selbstvergewisserung: Zum zehnten Mal in Folge erhält das Steak- und Bierlokal im aktuellen Bier Guide die Höchstwertung von fünf Krügerln. In einer Branche, in der Bewertungen rasch wechseln können und Trends die Aufmerksamkeit umleiten, ist eine derart kontinuierliche Einstufung ein Hinweis auf ein über Jahre stabiles Konzept – und auf ein Publikum, das dieses Angebot annimmt. In Niederösterreich gehören aktuell nur vier Betriebe zu diesem Kreis, österreichweit bleibt die Fünf-Krügerl-Kategorie eine kleine Minderheit der im Guide erfassten Lokale.
Die Zündwerk Gruppe wurde 2012 von Erich Windisch gegründet. Im März 2013 wurde mit dem Harley-Davidson Store mit angeschlossener Werkstätte der erste Zündwerk-Betrieb feierlich eröffnet. Im Herbst 2015 gesellte sich das Zündwerk Fine Steaks, Burger & Beer Restaurant dazu. Seit der Eröffnung 2015 setzt das Zündwerk auf eine Kombination aus amerikanisch inspiriertem Steakhouse, Burger-Spezialisierung und einem ausgeprägten Fokus auf Bier, der über das übliche Angebot eines Landgasthauses hinausgehen soll. Schon im Jahr nach der Eröffnung wurde das Zündwerk - damals noch stärker auf das Thema Harley-Davidson ausgerichtet - als Niederösterreichisches Bierlokal des Jahres ausgezeichnet.
Die Karte umfasst österreichische und internationale Bierspezialitäten, ergänzt um regelmäßige Verkostungen sowie Kooperationen mit regionalen Brauereien. In der Außendarstellung wird Bier nicht als Beigabe zur Küche, sondern als gleichberechtigter Teil des gastronomischen Profils positioniert.
Der Bier Guide, herausgegeben von Conrad Seidl, ordnet Lokale nach einem fünfstufigen System: Ein Krügerl steht für einfache, aber vom Durchschnitt abweichende Bierkultur, zwei und drei Krügerl kennzeichnen überdurchschnittliche bis sehr gute Betriebe, vier Krügerl setzen nationale Maßstäbe. Fünf Krügerl bleiben jenen Adressen vorbehalten, die als international vorbildliche Bierlokale mit breiter Stilvielfalt, gepflegter Präsentation und ausgeprägter Bierorientierung gelten. In dieser Kategorie wird nicht nur das Sortiment bewertet, sondern auch die Art, wie Bier im Betrieb verankert ist – von der Schulung des Personals bis zur Atmosphäre, die der Guide als „bierige Stimmung“ beschreibt.
Kontinuierlicher Aufbau lohnt sich
Für Geschäftsführer Erich Windisch ist die wiederholte Auszeichnung, wie er betont, Ergebnis eines längerfristigen Aufbaus: Seit der Gründung sei Bier ein wesentlicher Teil der Unternehmensphilosophie, das Angebot solle Gästen die Vielfalt und sensorische Bandbreite des Getränks näherbringen. Die Aussage reiht sich in eine Entwicklung ein, in der Bier in der heimischen Gastronomie verstärkt als erklärungsbedürftiges Produkt verstanden wird, dessen Stilrichtungen, Herkunft und Kombination mit Speisen Gesprächsstoff liefern. Verkostungsabende und thematische Schwerpunkte dienen dabei nicht zuletzt als Instrument der Kundenbindung.
In Strasshof, einer Gemeinde an der Nordbahn, fungiert das Haus zugleich als regionaler Anziehungspunkt. Neben dem Restaurantbetrieb umfasst das Ensemble auch Motelzimmer, womit das Zündwerk sich an ein mobiles Publikum richtet, das die Lage an der Verkehrsachse zwischen Wien und dem Weinviertel nutzt.
Der Blick in andere Gastronomieguides zeigt, dass Bierorientierung nicht isoliert steht. Falstaff führt das Zündwerk mit soliden Bewertungen für Küche und Service und hebt dort vor allem Steaks und Burger hervor. Die Kombination aus fleischbetonter Karte und vielfältigem Biersortiment entspricht einer Linie, die in vielen Ländern mit der Craft-Bier-Bewegung verknüpft ist und auch in Österreich in suburbanen Lagen sichtbar wird. Während klassische Wirtshäuser auf wenige regionale Biere setzen, zielen Betriebe wie dieses auf eine breitere Auswahl, die von internationalen Spezialitäten über Kleinbrauereien bis zu saisonalen Angeboten reicht.
Die Kontinuität der Bewertung über zehn Jahre hinweg verweist auch auf die Logik des Bier Guide selbst. Die Tester legen nach eigener Darstellung Wert auf wiederholte Besuche und diskutieren Bewertungen im Team, wobei Änderungen von Sortiment, Personal und Stimmung einfließen. Dass ein Lokal in dieser Struktur über ein Jahrzehnt auf höchster Stufe bleibt, signalisiert aus Sicht der Herausgeber, dass es sich in einer sich wandelnden Bierlandschaft behauptet. Für die regionale Gastronomie bedeutet die Präsenz eines derartig eingestuften Betriebs zugleich einen Referenzpunkt für die eigene Positionierung im Wettbewerb um Gäste, die zunehmend zwischen unterschiedlichen Formen von Bierkultur wählen.